Freitag, 15. Februar 2008

Dänemarks Jugend steckt hinter Unruhen:
Justizministerin kündig "Null Toleranz" an

  • Angezündete Autos & Müllcontainer erzeugen Aufruhr
  • Polizeichef befürchtet Ausbreitung von 'Steppenbrand'

Die Kopenhagener Polizei glaubt, dass marginalisierte Jugendliche in Kopenhagen und an anderen Orten für die zahlreichen Aktionen mit angezündeten Autos und Müllcontainern verantwortlich sind. Gleichzeitig wies der Kopenhagener Polizeichef Per Larsen Vorwürfe, die Polizei habe die Unruhen provoziert, als "absurde Theorie" zurück. Die dänische Justizministerin Lene Espersen kündigte indes einen harten Kurs gegen die Unruhestifter an.

Polizeichef Larsen sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Ritzau, es handle sich bei den Urhebern der Unruhen nur um eine verhältnismäßig kleine Gruppe. Larsen warnte allerdings ausdrücklich vor einem "Teufelskreis". Angesichts der Ausweitung der Krawalle auf mehrere Orte sei klar, dass es Jugendliche gebe, die sich inspirieren ließen. "Deswegen sind wir in einer Phase, in der das Risiko besteht, dass sich das wie ein Steppenbrand ausweitet."

In der bisher letzten Unruhenacht verzeichnete die Polizei in Kopenhagen und Aarhus sowie einigen anderen Ortschaften Dutzende in Brand gesetzte Autos und Müllcontainer. Auch das Feuer in einer Vororte-Schule dürfte gelegt worden sein. Insgesamt wurden neun Personen festgenommen. Wie schon davor handelte es sich offenbar vorwiegend um Jugendliche aus dem Einwanderer-Milieu.

Keine Toleranz gegen jugendliche Randalierer
Justizministerin Espersen kündigte "null Toleranz" gegen jugendliche Brandstifter und Randalierer an. Gewalttätige Methoden zur Äußerung der eigenen Meinung seien "vollkommen inakzeptabel". Gleichzeitig räumte die Ministerin ein, auch die Behörden und die Eltern der Betroffenen könnten einen Beitrag zur Besserung der Situation beitragen. Abhilfe könnte beispielsweise das in den USA angewandte Modell "Broken Windows" (Zerbrochene Fenster) schaffen, das ein Eingreifen auf Wohnbezirksebene in einem möglichen Frühstadium von Unruhen vorsehe.

Polizei wurde Schuld an Kravallen vorgeworfen
Der Kopenhagener Polizei war von Medien und Sozialarbeitern vorgeworfen worden, bei den in jüngster Zeit vor allem in dem von Einwanderern, aber auch von der alternativen Szene geprägten Stadtteil Nörrebro verstärkten Kontrollen und anderen Aktionen immer wieder rassistischen Jargon zu benützen, was die Bereitschaft zu derartigen Unruhen erhöhe oder diese sogar ausgelöst haben könnte.

Andere Medien brachten die Unruhen, beziehungsweise deren Ausweitung mit den erfolgten Festnahmen wegen eines mutmaßlichen Mordkomplotts gegen den Mohammed-Karikaturen-Zeichner Kurt Westergaard in Zusammenhang. Spekuliert wurde weiters, ob die Aktionen etwas mit dem Streit um das ehemalige Jugendhaus in Nörrebro zu tun haben könnten. Einen Zusammenhang damit schloss ein Polizeisprecher unter Hinweis darauf aus, dass es sich bei den Festgenommenen um Jugendliche aus dem Einwanderer-Milieu handelte.
(apa/red)

15.2.2008 14:48