Donnerstag, 14. Februar 2008

Nach Sprengstoff-Attentat auf Moughniyah: Hisbollah droht Israel mit "offenem Krieg"

  • Israelische Einrichtungen im Ausland im Visier
  • Botschaft Ahmadinejads bei Begräbnis verlesen

Nach dem tödlichen Anschlag auf einen ihrer Anführer droht die libanesische Schiitenbewegung Hisbollah Israel mit Krieg. "Zionisten, wenn Ihr diese Art von offenem Krieg wollt, dann soll es die ganze Welt hören: Lasst uns offen Krieg führen", rief der per Video zugeschaltete Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah Zehntausenden Anhängern zu, die sich zur Beerdigung von Imad Moughniyah im Süden Beiruts versammelt hatten. Israel hat bestritten, für den Bombenanschlag auf den wegen terroristischer Aktionen auch von den USA gesuchten Extremisten in Damaskus verantwortlich zu sein.

Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki verlas während der Beisetzungszeremonie eine Botschaft von Präsident Mahmoud Ahmadinejad, der "kriminelle Operationen" Israels für den Anschlag verantwortlich machte. Im Iran hat der oberste geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei den toten Hisbollah-Anführer zum "großen Märtyrer" proklamiert. In einer über den staatlichen Rundfunk verbreiteten Botschaft geißelte Khamenei die "blutrünstigen zionistischen Verbrecher, die wissen müssen, dass Moughniyas Märtyrertum die Geburt von Hunderten von weiteren Märtyrern bedeutet". Syriens Regierung verurteilte den Anschlag als "terroristischen und feigen Akt".

Israels Botschaften in Alarmbereitschaft
Wegen der vom Iran und der palästinensischen Hamas-Bewegung unterstützten Racheschwüre der Hisbollah versetzte Israel seine Botschaften weltweit in Alarmbereitschaft. Zudem verstärkte es seine Einheiten an der Grenze zum Libanon. Israel wisse, was es angesichts der Umstände zu tun habe, betonte Sicherheitsminister Avi Dichter im Radio. Nasrallah hatte Israel für den Fall einer weiteren Libanon-Offensive zuletzt einen Krieg in Aussicht gestellt, der die Nahost-Region "völlig verändern" würde.

Die Hisbollah hatte die 34-tägige israelische Libanon-Offensive im Sommer 2006 mit der Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten provoziert und 4000 Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Die schiitische Miliz ging aus dem Konflikt mit mehr als 1200 libanesischen und 160 israelischen Toten politisch gestärkt hervor. Nach Einschätzung des israelischen Militärgeheimdienstes sind die Kapazitäten der Hisbollah jetzt stärker als vor der israelischen Großoffensive.

Verteidigungsminister Ehud Barak hatte vor einem Parlamentsausschuss in Jerusalem erklärt, die vom Iran unterstützte Miliz verfüge heute über deutlich mehr Waffen als vor dem 34-Tage-Krieg. (apa/red)

14.2.2008 17:20