Donnerstag, 14. Februar 2008

Sarkozy hat auch gute Ideen: Kinder werden zu "Paten" von Holocaust-Opfern

  • Kritik aber von Lehrergewerkschaft und Opposition
  • Französischer Präsident kündigt Israel-Besuch an

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will Kinder schon in der Volksschule mit dem Gedenken an die Opfer des Holocaust vertraut machen. Jedem Schüler der vierten Klasse solle "das Gedenken eines der 11.000 französischen Kinder anvertraut werden, die Opfer der Shoah geworden sind", sagte Sarkozy in Paris bei einer Veranstaltung des Zentralrats jüdischer Organisationen in Frankreich (CRIF).

Die Kinder im Alter von rund zehn Jahren sollten ab dem neuen Schuljahr "Namen und Existenz eines während der Shoah gestorbenen Kindes" kennenlernen. "Nichts ist bewegender für ein Kind als die Geschichte eines Kindes in seinem Alter, das die gleichen Spiele, die gleichen Freuden und die gleichen Hoffnungen hatte wie es selbst", sagte Sarkozy.

Die wichtigste Volksschullehrer-Gewerkschaft befürchtete darauf "psychologische Störungen" bei den Kindern, die mit zehn oder elf Jahren noch nicht alt genug für eine Konfrontation mit der Juden-Verfolgung seien. Kritik kam auch von der Opposition.

"Unglaublicher Vorschlag"
Kinder könnten die "emotionale Last" des Holocaust noch nicht tragen, sagte dagegen der Generalsekretär der Volksschullehrergewerkschaft SNUipp-FSU, Gilles Moindrot. Es bestehe die Gefahr, dass die Schüler "ein Schuld- oder Verantwortungsgefühl für etwas entwickeln, für das sie nicht im geringsten verantwortlich sind". Möglich sei auch ein gegenteiliger Effekt, nämlich, dass die Kinder auch später die Auseinandersetzung mit dem Thema ablehnten.

Der sozialistische Senator Jean-Luc Melenchon bezeichnete den Vorschlag als "unglaublich". Niemand in Frankreich habe derartiges jemals verlangt, die Organisationen der jüdischen Glaubensgemeinschaft eingeschlossen. Sarkozy solle sich aus der Bildungspolitik heraushalten.

Erster Israel-Besuch
Der Präsident kündigte bei der Veranstaltung auch an, er werde im Mai zu seinem ersten Staatsbesuch nach Israel reisen, das dann den 60. Jahrestag der Staatsgründung feiert. Er werde dort "eine große Rede auf Einladung der Knesset", dem israelischen Parlament, halten. Sarkozy, der selbst teils jüdische Vorfahren hat, sagte, er sei ein Freund Israels. Er wolle die freundschaftlichen Beziehungen zu dem Staat stärken. Zum Konflikt mit den Palästinensern fügte der Präsident an, sein Land werde niemals "die Sicherheit Israels zum Gegenstand von Verhandlungen machen". Die Palästinenser müssten aber ihren eigenen Staat bekommen. Er halte eine Übereinkunft darüber bis zum Jahresende für "absolut möglich". (APA/red)

14.2.2008 15:25