Mittwoch, 13. Februar 2008

Autobombe explodierte in Damaskus: Hisbollah-Terror-Pate Moughniyah getötet!

  • Galt als einer der meistgesuchten Terrorverdächtigen
  • Israels Regierung bestreitet jegliche Verwicklung

Ein wegen zahlreicher Attentate von Interpol gesuchter Hisbollah-Anführer ist in Damaskus bei einem Anschlag getötet worden. Imad Moughniyah (45) starb in der syrischen Hauptstadt durch eine Autobombe, wie die libanesische Schiitenmiliz mitteilte.

Der offizielle Hisbollah-Sender Al-Manar machte Israel für den Anschlag verantwortlich. Die Regierung in Jerusalem bestritt jegliche Verwicklung. Moughniyah leitete eine Spezialeinheit der radikalen Miliz und galt als Schlüsselfigur für deren militärische und Geheimdienstoperationen. Der Libanese palästinensischer Herkunft zählte zu den meistgesuchten Terrorverdächtigen der USA.

Nach inoffiziellen Angaben hätte Moughniyah den iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki in Syrien treffen sollen. Der Besuch wurde inzwischen nach Angaben aus iranischen Diplomatenkreisen verschoben. Moughniyah galt als enger Verbündeter der iranischen Führung. Die syrischen Behörden haben bisher offiziell nicht zu der Explosion Stellung genommen.

Das syrische Staatsfernsehen bestätigte, dass in einem Wohnviertel von Damaskus ein Mensch durch eine Autobombe starb, ohne das Opfer zu identifizieren. Die nationale syrische Menschenrechtsorganisation bezeichnete den Anschlag als "terroristischen Akt", der auf eine Drohung des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert gefolgt sei, Anführer der Hisbollah und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas umzubringen.

Israel weist Verantwortung von sich
Olmerts Büro wies die "Versuche terroristischer Gruppen" zurück, Israel mit dem Anschlag in Verbindung zu bringen. Weitere Angaben machte die Regierung nicht. Der frühere Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, Danny Yatom, hatte nach eigenen Angaben keine Informationen über die Drahtzieher des Attentats. Es handle sich aber um einen "Erfolg" für die Nachrichtendienste. Moughniyah sei einer der "größten Terroristen" der Welt gewesen, vergleichbar mit Al-Kaida-Chef Osama bin Laden.

Racheakte befürchtet
Israelische Radio- und Fernsehsender unterbrachen ihr Programm, um über den Tod des Hisbollah-Anführers zu berichten. Sie spekulierten über mögliche Racheakte und rechneten mit einer Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen an israelischen Auslandsvertretungen. Nach Angaben der Hisbollah sollte Moughniyah beigesetzt gewerden.

Moughniyah Mitbegründer des Islamischen Widerstands
Moughniyah hatte den bewaffneten Arm der Hisbollah, den Islamischen Widerstand, 1983 mitgegründet. Er stand auf der Fahndungsliste von Interpol, gehörte zu den meistgesuchten Terrorverdächtigen der USA und lebte seit Ende der 80er Jahre im Untergrund. Er soll unter anderem 1994 am Anschlag auf ein jüdisches Kulturzentrum und 1992 am Bombenattentat auf die israelische Botschaft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires beteiligt gewesen sein, bei denen insgesamt 114 Menschen starben. Zudem soll er in die Entführung mehrerer westlicher Ausländer während des Bürgerkriegs im Libanon von 1975 bis 1990 verwickelt gewesen sein.

Moughniyah wurde von den USA wegen der Entführung eines TWA-Flugzeugs 1985 angeklagt. Dabei war ein US-Marinetaucher getötet worden. Auf der Fahndungsliste der US-Bundespolizei FBI stand Moughniyah ganz oben: 25 Millionen Dollar (17 Millionen Euro) waren auf seine Ergreifung ausgesetzt - genau so viel wie für Al-Kaida-Führer Osama bin Laden.

Hisbollah: "Märtyrer"
Die Hisbollah erklärte in ihrem Fernsehsender, einer der großen Führer des islamischen Widerstands im Libanon sei von Israelis zum Märtyrer gemacht worden. Er sei einer der Väter der Befreiung und des glorreichen Siegs im Juli-Krieg gewesen, hieß es mit Bezug auf den Krieg mit Israel im Sommer 2006. Es wäre der zweite israelische Angriff in Syrien innerhalb von sechs Monaten, nachdem israelische Kampfflugzeuge im September eine Atomanlage tief in der syrischen Wüste angegriffen haben sollen.

Der iranische Satellitensender Press TV meldete, bei dem Opfer einer Explosion habe es sich um Moughniyah gehandelt. Er habe gerade sein Haus verlassen und zu seinem Wagen gehen wollen, als die Bombe explodierte. Der libanesische Sender LBC berichtete hingegen, Moughniyah habe an einer Feier an einer iranischen Schule in Damaskus teilgenommen und sei getötet worden, als er den Ort verlassen habe.

Das Attentat auf Moughniyah wäre das erste auf ein führendes Hisbollah-Mitglied seit 1992, als der damalige Generalsekretär Scheich Abbas Moussawi bei einem Hubschrauberangriff im Südlibanon getötet wurde.
(APA/red)

13.2.2008 16:10