Regierung in Osttimor verhängt Notstand: Zustand von Präsident nach Anschlag ernst
- Ramos-Horta bei misslungenem Putsch verwundet
- Wurde von Schüssen in Brust und Bauch getroffen

Nach dem Putschversuch einer Rebellengruppe in Osttimor hat Australien seine Ordnungstruppen in dem Inselstaat verstärkt. Am 12. Februar trafen 190 weitere Soldaten in der Hauptstadt Dili ein, berichtete das Verteidigungsministerium in Canberra. Damit steigt die australische Truppenstärke in Osttimor auf etwa 1000 Mann. Der bei dem Rebellenangriff schwer verletzte osttimoresische Präsident José Ramos-Horta befand sich bis 12. Februar weiter auf der Intensivstation eines Krankenhauses der australischen Stadt Darwin. Der 58-Jährige war am 11. Februar etwa drei Stunden lang operiert worden. Die Ärzte stellten eine "vollständige Genesung" des Friedensnobelpreisträgers in Aussicht.
Ministerpräsident José Alexandre "Xanana" Gusmao, der einem weiteren Anschlag unverletzt entging, hat den Ausnahmezustand über das Land verhängt. Er sprach von einem "gescheiterten Putschversuch". Der Führer der Aufständischen war getötet worden. Die verbliebene Rebellengruppe wurde auf etwa 25 Mann geschätzt. Wie der australische Premierminister Kevin Rudd mitteilte, sollen die zusätzlich entsandten Soldaten vor allem bei der Suche nach Rebellen helfen, die mit den Anschlägen in Verbindung stünden. Außenminister Stephen Smith sagte: "Unsere Aufgabe ist es, (...) sicherzustellen, dass die Stabilität im Land aufrechterhalten wird".
Reaktion: Internationale Staatengemeinschaft
Der Anschlag auf Ramos-Horta wurde von der internationalen Staatengemeinschaft schärfstens verurteilt. Die Verantwortlichen für diese "abscheuliche Tat" müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte der UNO-Sicherheitsrat auf einer Sondersitzung in New York. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft betonte, der Vorfall bestärke die Union "in ihrer Entschlossenheit, die Institutionen von Osttimor und seine Entwicklung zu unterstützen, um die Zukunft des Staates zu sichern". US-Präsident George W. Bush verurteilte den "gewaltsamen Angriff" auf Ramos-Horta. "Die Verantwortlichen müssen wissen, dass sie die Demokratie in Osttimor nicht zu Fall bringen können und für ihre Tat zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Bush. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon sicherte der osttimoresischen Regierung die Solidarität der Vereinten Nationen zu und dankte Australien für dessen geleistete Hilfe.
Menschenrechtsverstöße
Osttimor (Timor Leste) stand ein Vierteljahrhundert lang unter indonesischer Okkupation. Die Besatzungsarmee machte sich schwerster Menschenrechtsverstöße an der überwiegend christlichen Bevölkerung des vormals portugiesischen Überseeterritoriums schuldig und zerstörte nach UN-Angaben die Infrastruktur zu mehr als 80 Prozent. Erst nach dem Zusammenbruch der Suharto-Diktatur einigten sich Indonesien und Portugal unter UNO-Vermittlung auf ein Selbstbestimmungs-Referendum in Osttimor im August 1999, doch die Besatzungsarmee und pro-indonesische Milizen überzogen daraufhin die Inselhälfte mit einer Welle der Gewalt. Etwa 250.000 Osttimoresen mussten fliehen, viele wurden von der Besatzungsmacht nach Westtimor vertrieben oder verschleppt. Eine multinationale Eingreiftruppe unter australischem Kommando setzte dem Morden ein Ende. Im Mai 2002 wurde Osttimor nach einer UN-Übergangsverwaltung eine unabhängige Republik.
(apa/red)
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