Dienstag, 12. Februar 2008

'Schlag in die Magengrube': Kampusch zeigt sich bestürzt über Pannen und Vertuschung

  • Polizei-Fehler kosteten ihr wertvolle Lebensjahre

Bestürzt über die angeblichen Ermittlungsfehler in ihrem Entführungsfall, aber dennoch gefasst, zeigte sich Natascha Kampusch in einem ORF-Interview. Das so "Schwarz-Weiß" zu erfahren "war natürlich noch ein zusätzlicher Schlag in die Magengrube", sagte die 19-Jährige zu Moderator Christoph Feurstein. Der Versuch diese vermutlichen Pannen noch zu vertuschen, sei "schon sehr arg".

Natascha Kampusch hat ihre Kritik gegenüber der heimischen Justiz, die sie im ORF-Interview äußerte, gegenüber der APA zurückgenommen. Es tue ihr leid, hier sei ein Versprecher passiert, so die 19-Jährige. Gemeint sei natürlich die Exekutive. Im Gespräch mit Feurstein hatte das Entführungsopfer angesichts der angeblichen Ermittlungspannen erklärt: "Ich habe meinen Glauben an die Justiz dieses Landes schon irgendwie verloren." Ihr sei die Trennung der Staatsgewalt sehr wohl bewusst, betonte Kampusch gegenüber der APA. Der Versprecher sei ihr in der Interviewsituation "passiert".

Vom persönlichen Aspekt gesehen sei es ein "Wahnsinn" und "unmöglich", kritisierte Kampusch den Umgang mit ihrem Fall seitens der Politik. "Wenn man schon einen Fehler begeht, sollte man versuchen ihn wieder gut zu machen und daraus zu lernen." Kein Verständnis habe sie daher auch für die Vorwürfe, das Ansehen der verstorbenen Innenminister Liese Prokop werde beschmutzt: "Neutral betrachtet ist diese Ansicht absolut fehl am Platz. Sie war damals Ministerin, egal ob sie jetzt tot ist oder in 20 Jahren gestorben wäre."

"Es geht nicht um Geld"
"Es sind schon die Leute zur Verantwortung zu ziehen, die diesem Hinweis nicht nachgegangen sind", forderte die 19-Jährige in der Sendung "Die Akte Kampusch - Eine Chronik des Versagens". "Es ist ja klar, dass ein Krimineller nicht die Wahrheit über sein Verbrechen erzählt." Ob sie eine Entschädigung bekomme oder eine Klage einbringe, werde sich aber erst herausstellen. "Es geht ja nicht um Geld, sondern es geht um Gerechtigkeit", betonte sie. Leid, Gefühle und Schicksalsschläge - "Solche Sachen kann man nicht so leicht messen".

Zeit in Gefangenschaft
Auch an die Zeit ihrer Entführung erinnerte sich Natascha Kampusch im Gespräch mit Feurstein zurück: "Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich bald freikomme", erzählte sie. Das jetzige Ereignis habe auch Blockaden gelöst, sich "extra reinzusteigen" wäre allerdings falsch. Gemeinsame Ausflüge mit ihrem Peiniger während der Gefangenschaft verglich das Entführungsopfer mit Reisen in ein fremdes Land mit unverständlicher Sprache, unbekannter Kultur und einer "Kalaschnikow, die auf ihr Herz zielt". Das Auftauschen der Polizei habe ihr Kidnapper sogar erwähnt, über die Fahndung allerdings nicht viel gesprochen. "Aus Angst es könnte mir nützen zu fliehen", so Kampusch.

Schuldzuweisungen an Mutter
Stellung nahm die 19-Jährige einmal mehr zu den Schuldzuweisungen an ihrer Mutter Brigitte Sirny: "Meine persönlichen Meinung ist, dass meine Mutter an der Entführung nicht beteiligt war uns sie hat mich natürlich nicht sexuell missbraucht." Auf die Frage nach sexuellen Übergriffen durch ihren Entführer antwortete Kampusch: "Ich meine, das sind meine Privatangelegenheiten. Sie erzählen ja auch nicht alles aus Ihrem Leben."

(apa/red)

12.2.2008 15:00