Sonntag, 10. Februar 2008

Wie sich die Araber das globale Airline-
Geschäft schnappen: Die irre Expansion

  • FORMAT: Golfstaaten investieren Milliardenbeträge
  • Die Airline-Branche gerät weltweit unter Druck

Letzten November bestellten Fluglinien des Mittleren Ostens auf der Dubai Airshow um 100 Milliarden US-Dollar Flugzeuge. Emirates Airlines aus Dubai kaufte zum Beispiel um 35 Milliarden Dollar Großraumjets von Airbus und Boeing. Qatar Airways orderte 57 Flugzeuge für 13,5 Milliarden Dollar, die Billigfluglinie Air Arabia will Airbus-Maschinen für 3,5 Milliarden. Dubai Aerospace Enterprise, ein Newcomer im globalen Business des Flugzeug-Leasings, gab 200 Mittelstreckenjets in Auftrag. Kosten: 28 Milliarden Dollar.

Die 150 Millionen Euro, die der saudischstämmige Scheich Al Jaber in die AUA investieren will, nehmen sich geradezu mickrig aus im Vergleich zu den Unsummen, die im arabischen Raum ausgegeben werden, um sich ein gutes Stück des weltweiten Airlinegeschäfts unter den Nagel zu reißen. Neben dem Tourismus wollen einige Golfstaaten offenbar hauptsächlich von der Luftfahrt leben, wenn die Ölquellen einmal versiegt sind. Einer Marktstudie von Boeing zufolge werden im Mittleren Osten 1.160 Flugzeuge bis etwa zum Jahr 2025 angeschafft.

Diese enormen Flotten benötigen auch eine gewaltige Infrastruktur. Von Abu Dhabi über Dubai bis Saudi-Arabien fließen gegenwärtig 37,2 Milliarden Dollar in den Bau oder die Erweiterung von 17 Flughäfen. Der neue Al-Maktoum International Airport in Dubai soll ab 2015 über eine Kapazität von 120 Millionen Passagiere jährlich verfügen.

Kampf um Passagiere
2007 beförderten die Fluglinien aus diesem Teil der Welt rund 95 Millionen Passagiere. Doch woher kommen die? Tim Clark, Präsident von Emirates, erläutert im Gespräch mit FORMAT: "Unsere geografische Lage ist einzigartig. Von hier aus können wir beinahe jeden Punkt der Welt nonstop erreichen. Im Radius von fünf Flugstunden wohnen um das Dreieck Dubai, Abu Dhabi und Doha zwei Milliarden potenzielle Kunden." Clark hat vor allem die alten Luftdrehscheiben in Europa und Asien im Visier. Emirates verfügt mittlerweile schon über 114 Flugzeuge. Qatar Airways und Etihad aus Abu Dhabi expandieren ebenfalls in atemberaubendem Tempo - gespeist durch viele, viele Petrodollars.

Die Zunahme des Tourismus allein wird die zusätzlichen Flugzeugsitze nicht auslasten können. Es muss massenhaft Verkehr von europäischen Konkurrenten abgezogen werden. Die Überkapazitäten, die Emirates & Co produzieren, werden schon bald die gesamte Luftfahrt enorm unter Druck setzen. 67 Riesen-Airbus A380 müssen künftig von Dubai, Abu Dhabi und Doha tagtäglich mit Passagieren gefüllt werden.

Offenbar die Hoffnung der AUA: Sich mithilfe Al Jabers als Zubringer etablieren zu können.

Die Geschichte finden Sie im aktuellen FORMAT Nr. 6/08.

10.2.2008 07:51