Dienstag, 5. Februar 2008

Mega-Pipeline in Wien besiegelt: RWE ist sechster Partner für "Nabucco"-Projekt

  • 3.300 km Länge: Österreichische OMV mit an Bord
  • Ab 2013 soll Erdgas aus Kaspischen Region kommen

Die deutsche RWE Gas Midstream ist als sechster Partner in das Gaspipeline-Projekt Nabucco eingestiegen. Die Verträge wurden in Wien von allen Partnern unterzeichnet. Das Nabucco-Konsortium besteht nunmehr aus OMV Gas International, der ungarischen MOL, der bulgarischen Bulgargaz Holding, der rumänischen Transgaz, Botas aus der Türkei und der RWE Gas Midstream mit Sitz in Essen. Jedes Unternehmen hält 16,67 Prozent der Anteile an der Projektgesellschaft Nabucco Gas Pipeline International Ltd.

"Wir werden ab jetzt beträchtliche finanzielle und menschliche Ressourcen für das Projekt bereitstellen", sagte der Geschäftsführer von RWE Gas Midstream, Stefan Judisch, im Wirtschaftsministerium in Wien. RWE hat 10 Millionen Gaskunden in Südost-, Zentral- und Nordwesteuropa. "Wir sind erfreut, dass uns das Nabucco Konsortium als sechsten, gleichberechtigten Partner akzeptiert hat. Dieses Pipeline-Projekt ist für uns ein wichtiger Meilenstein in unserer Gas-Wachstumsstrategie. Wir sind überzeugt, Nabucco wird Europas Gasversorgungssicherheit erhöhen."

Die Nabucco Gaspipeline wird über eine Länge von 3.300 km von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Baumgarten bei Wien führen und verbindet die großen Erdgaslagerstätten der Kaspischen Region, des Nahen und Mittleren Ostens und anderer Regionen mit dem europäischen Markt. In der Endausbaustufe ist eine Kapazität von 31 Mrd. m3 geplant.

Über einen möglichen siebenten Nabucco-Partner - zuletzt war von rumänischer und französischer Seite die Gaz de France verstärkt ins Spiel gebracht worden - äußerte sich der Vertreter der türkischen Botas im Lenkungsausschuss des Nabucco-Projekts, Saltuk Düzyol, zurückhaltend. Über diese Frage könnten die derzeitigen sechs Partner nur gemeinsam entscheiden, sagte Düzyol.

Der rumänische Staatspräsident Traian Basescu hatte anlässlich des Besuchs des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Bukarest erklärt, er unterstütze im Einvernehmen mit Sarkozy eine Beteiligung von Gaz de France an Nabucco. Rumäniens Wirtschafts- und Finanzminister Varujan Vosganian relativierte diese Aussage heute als Teil des "üblichen Protokolls" bei solchen Staatsbesuchen.

Bulgarien und Rumänien unterstützen nach jüngsten offiziellen Aussagen eine Beteiligung der Gaz de France an Nabucco - hier legte sich die Türkei aus politischen Gründen bisher quer.

Der Geschäftsführer des Nabucco-Konsortiums, Reinhard Mitschek, nannte heute das Jahr 2013 als angepeilten Termin für die Inbetriebnahme der Nabucco-Pipeline. Bei günstigen Bedingungen könnte das erste Gas aber auch bereits 2012 in die Pipeline eingeleitet werden.

(apa/red)

5.2.2008 20:18