5.2.2008 16:04

Hicke vor Deutschland-Spiel im Zwiespalt:
"Eigentlich wäre Sieg unglaublich schlecht"

  • Absoluter Wille zum Sieg ist laut Teamchef vorhanden
  • Euphorie nach Erfolg könne aber kontraproduktiv sein

Österreichs Fußball-Teamchef Josef Hickersberger befindet sich vor dem Testspiel am Mittwoch (live ab 20.35 Uhr auf news.at) im Wiener Happel-Stadion gegen Deutschland offenbar im Zwiespalt. Zum einen hofft der 59-Jährige im ersten Ländermatch des Jahres auf eine Sensation gegen den dreifachen Welt- und Europameister, um im Hinblick auf die Heim-EM eine Euphorie zu entfachen, zum anderen könnte ein voller Erfolg laut "Hicke" auch kontraproduktiv sein.

Zwar betonte der Coach auf der Pressekonferenz am Tag vor der Partie, dass "wir mit dem absoluten Willen in das Spiel gehen, zu gewinnen". Kurz darauf jedoch meinte Hickersberger mit Blick auf die österreichische Mentalität: "Auch wenn ein gutes Resultat für die Stimmung im Land unglaublich wichtig wäre: Eigentlich wäre ein Sieg unglaublich schlecht, denn die Österreicher würden uns dann sofort zum Kreis der erweiteren Titelfavoriten bei der EURO rechnen."

Deutschlands "B-Truppe"
Noch einen weiteren Seitenhieb auf die österreichische Seele konnte sich der Teamchef nicht verkneifen. "Es besteht in Österreich die Gefahr, dass in Österreich gesehen wird, wer bei den Deutschen fehlt, und dass dann einige glauben, Deutschland kommt mit der B-Mannschaft und wir sind Favorit", erklärte er im Hinblick auf die verletzten Christoph Metzelder und Torsten Frings sowie den unsicheren Einsatz von Michael Ballack.

Deutschland ist klarer Favorit
An der Ausgangsposition ändere auch der eine oder andere Ausfall aufseiten der DFB-Auswahl nichts. "Die Deutschen sind nicht nur zweikampfstark und eine starke Turniermannschaft, sie spielen auch einen modernen Fußball, haben im Mittelfeld einige Scharfschützen und verfügen bei Standard-Situationen über ausgezeichnete Kopfball-Spezialisten", sagte Hickersberger.

Hickersberger rechnet mit Sturmoffensive
Der frühere Rapid-Meistermacher rechnet mit einer sehr offensiv eingestellten DFB-Elf. "Ich wäre nicht überrascht, wenn Klose und Kuranyi stürmen und Podolski links im Mittelfeld beginnt. Außerdem haben die Deutschen mit Ballack einen der torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Welt in ihren Reihen", meinte Hickersberger, der nach eigenen Angaben auf alle Winkelzüge von DFB-Teamchef Joachim Löw ("Er wird dafür sorgen, dass uns die Deutschen nicht unterschätzen") vorbereitet ist. "Aus taktischer Hinsicht sind wir auf jede Variante der Deutschen vorbereitet." Allerdings sei es gut möglich, dass beide Teamchefs im Hinblick auf das EM-Duell am 16. Juni ihre Karten noch nicht ganz aufdecken werden.

Früh attackieren
Der ÖFB-Coach zeigte seinen Kickern diverse Ausschnitte von Länderspielen der Deutschen. "Wir haben dabei überragende Szenen gesehen, aber auch Ausschnitte von der Heimniederlage gegen Tschechien, wo sie nicht sehr gut ausgesehen haben." Hickersberger erwartet die DFB-Truppe mit einer Viererkette, "die sehr hoch verteidigt, um Druck auszuüben. Meine Spieler müssen wissen, dass sie früh attackiert werden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Räume hinter der Viererkette, die wir vielleicht ausnützen können."

Einsatz von Garics ist fraglich
Nicht nur die deutsche, auch die eigene Viererkette bereitet "Hicke" noch Kopfzerbrechen. Napoli-Legionär György Garics, der für die Position als rechter Außenverteidiger vorgesehen ist, musste das Montag-Training wegen Bauchmuskelproblemen abbrechen, sein Einsatz ist noch offen. Ansonsten ließ sich der Nationalcoach in punkto Aufstellung nicht in die Karten blicken, sondern kündigte lediglich an, dass die drei Spitzen Roland Linz, Martin Harnik und Roman Kienast allesamt spielen werden, wenn auch teilweise nur als Einwechselspieler.
(apa/red)

5.2.2008 16:04
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