Zweiter Weltcupsieg: In der Berg- und Tal-
Fahrt ist Reinfried Herbst derzeit ganz oben
- Geburt des Sohnes gab Kraft und Gelassenheit
- Salzburger schon sechsmal an Knien operiert

·Garmisch: Herbst mit überlegenem Triumph
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Zwei Jahre nach seiner Traumsaison mit der Silbermedaille im Olympischen Slalom von Turin und dem ersten Weltcupsieg (Shiga Kogen/Japan) ist Reinfried Herbst in Garmisch-Partenkirchen endgültig in die absolute Weltspitze zurückgekehrt. Dazwischen lagen Tiefschläge wie die schwere Knieverletzung im Sommer 2006 und Highlights wie die Geburt seines Sohnes und ein tolles Comeback. Mittlerweile präsentiert sich der Salzburger als gereifter ÖSV-Star.
"Mein ganzes Leben ist bisher eine Berg- und Talfahrt", meinte Reinfried Herbst nach dem zweiten Weltcupsieg seiner Karriere. Jetzt sind beim 29-Jährigen wieder lichte Höhen angesagt, sportlich wie privat.
Die ganze Saison über habe er sich eigentlich schon top gefühlt. "Aber erst in Garmisch konnte ich zeigen, wie gut ich drauf bin", sagte Herbst. Eine extreme Trainingswoche bei seinem Mentor Dieter Bartsch in Mutters bei Innsbruck und eine Materialumstellung brachten den Pinzgauer zurück auf die Siegerstraße.
Herbst ging in Garmisch mit einem neuen Schuh an den Start. "Das mache ich normalerweise immer im Februar, da die Schuhe um diese Zeit schon Ermüdungserscheinungen aufweisen", erzählte Herbst. Anfang der Woche habe er den neuen Schuh getestet, und sich darin sofort sehr wohl gefühlt.
"Gibt viel Kraft und viel Freude"
Und auch privat strahlt bei Herbst zu Hause in Unken die Sonne. Vor knapp zwei Monaten kam sein Sohn Felix auf die Welt. "Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, gibt aber viel Kraft und viel Freude", sagte Herbst und schilderte ein signifikantes Erlebnis: "Nach meinem Ausfall in Schladming kam ich total angefressen ins Hotel zurück, wo Manuela und Felix auf mich gewartet haben. Ich sah die beiden und mein ganzer Frust war sofort vergessen."
Doch bevor Herbst wieder so wie in Garmisch strahlen durfte, musste er viele Tiefschläge einstecken. Sechs Mal wurde er bereits an beiden Knien operiert, zuletzt im Sommer 2006, als er sich beim Fußballspielen einen Kreuzbandriss zuzog. Doch bereits im Jänner 07 in Kitzbühel konnte er sein Comeback feiern. "Wenn man verletzt ist, bricht eine Welt zusammen, aber man wird dadurch auch gelassener. Man denkt, dass es eine allgemeine Zufriedenheit gibt", sagte Herbst, der von sich selbst sagt, er sei ein ungeduldiger Mensch.
Als sportlichen Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet Herbst, die Silbermedaille von Turin. "Das war bisher das Größte, das muss man über jeden Weltcupsieg stellen", sagte Herbst in Garmisch, wo 2011 die Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Und der Salzburger sinnierte über seine Glücksstrecke am Gudiberg: "Naja, das ist in drei Jahren. Da könnte ich hier schon noch fahren. Aber im Sport soll man nicht zu viel und zu weit vorplanen. Da kann immer was passieren."
Doch bei der Siegerpressekonferenz im Kongresshaus von Garmisch hatte der drittplatzierte Kroate Ivica Kostelic ein arabisches Sprichwort für Herbst parat: "Die Araber sagen, was einmal passiert, muss nicht in zweites Mal passieren. Aber was zweimal passiert ist, passiert sicher noch öfter."
Im Slalom-Weltcup ist nach dem Nuller von Mario Matt am Gudiberg der Südtiroler Manfred Mölgg, der Platz zwei erreichte, der schärfste Verfolger des Franzosen Jean-Baptiste Grange. An die Kleine Kristallkugel will der Italiener aber noch nicht denken. "Ich konzentriere mich jetzt auf jedes einzelne der letzten drei Rennen, dann sehen wir, was rauskommt", sagte Mölgg in Garmisch, "eine Vorentscheidung könnte aber sicher schon beim nächsten Slalom in Zagreb fallen."
(apa/red)
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