Mittwoch, 6. Februar 2008

Die nächsten US-Vorwahlen rücken näher: Bringen sie eine Entscheidung für Clinton?

  • Szenarien für den weiteren Verlauf im Wahlkampf
  • Wahlmarathon könnte sich bis Parteitag hinziehen

Die Wähler haben gesprochen - und eine klare Antwort vermieden. Nach den Abstimmungen am "Super-Dienstag" kommt der Demokrat Barack Obama laut CNN auf 732 Delegierte für den Wahlparteitag im Sommer, seine Rivalin Hillary Clinton auf 825. Beide sind weit entfernt von der Mehrheit von 2.025 Delegierten, die für die Nominierung nötig ist. Nach Einschätzung von Parteistrategen könnte die Entscheidung frühestens am 4. März fallen, wenn bei den Vorwahlen in Texas und Ohio insgesamt 390 Delegierte vergeben werden, oder am 22. April, wenn in Pennsylvania 181 Delegierte bestimmt werden. Die letzten Vorwahlen finden am 3. Juni in South Dakota und Montana statt.

Denkbar ist, dass auch dann weder Clinton noch Obama die nötige Zahl der Delegierten gewonnen haben. In diesem Fall käme den sogenannten "Super-Delegierten" die Rolle als Zünglein an der Waage zu. Diese Delegierten werden nicht in Vorwahlen bestimmt, sondern haben als hohe Parteifunktionäre oder Mandatsträger ein Stimmrecht auf dem Wahlparteitag der Demokraten. Dort stellen sie 796 der 4.049 Delegierten. In ihrem Abstimmungsverhalten sind sie frei. Mehr als 500 von ihnen haben sich bisher weder auf Clinton noch auf Obama festgelegt - beide Kandidaten werben daher weiter heftig um die Stimmen dieser Parteivertreter.

Möglichkeit einer Kampfabstimmung
Unwahrscheinlich, aber möglich ist es, dass die Entscheidung im Duell zwischen Clinton und Obama erst in einer Kampfabstimmung auf dem Nominierungsparteitag Ende August in Denver fällt. Zuletzt war bei den Demokraten im Jahr 1952 mehr als eine Abstimmung auf dem Parteitag nötig, um den Spitzenkandidaten zu ermitteln. Die Partei hofft aber darauf, dass die Entscheidung bereits früher fällt, weil sich Clinton und Obama in einem derart langen Kampf um die Kandidatur aufreiben könnten. Historiker erinnern an das Debakel des Demokraten-Parteitags 1924 in New York: Dort stand erst nach 103 Kampfabstimmungen der Kandidat fest - der die Wahl dann deutlich verlor.

Klarer ist in diesem Jahr die Lage bei den Republikanern. Senator John McCain liegt laut CNN mit 615 Delegierten fast bei der Hälfte der notwendigen Mehrheit von 1.191 der 2.380 Delegierten. Sein Abstand zu dem Rivalen Mitt Romney (268 Delegierte) ist aber so groß, dass McCain schon bald den Sieg in der Tasche haben könnte.


(APA/red)

6.2.2008 14:47