Amerikaner auch in Europa im Wahlfieber: Rege Beteiligung besonders bei Demokraten
- Auch in Wien wurde ein Wahllokal eingerichtet
- Demokraten im Ausland bestimmen 11 Delegierte
Zahlreiche US-Bürger beteiligen sich auch im Ausland an den Vorwahlen in ihrer Heimat. Hauptmotiv vieler Wähler war das Interesse an einer anderen Außenpolitik und an einem besseren Image der USA im Ausland. In London oder Rom konnte am "Super Tuesday" in richtigen Wahllokalen abgestimmt werden. In Österreich wurde ein Wahllokal in einem Wiener Café eingerichtet, in Deutschland gaben die meisten Amerikaner ihre Stimme mit Briefwahl ab.
In der Londoner Porchester Hall drängten sich zahlreiche Mitglieder und Anhänger der Demokratischen Partei. Mit Sprechchören und Plakaten für Hillary Clinton oder Barack Obama taten sie ihre Präferenzen kund. "Das ist das erste Mal, dass ich überhaupt interessiert bin zu wählen", sagte die 64-jährige Amerikanerin Barbara Lewis, die seit 37 Jahren in England lebt und ihre Stimme Obama gegeben hat.
In der Wiener Innenstadt wurde ein sogenanntes Voting Center im Kaffeehaus "Pickwick's" in der Marc-Aurel Straße eingerichtet. Dort hatten Wähler der Demokraten die Möglichkeit, am Super Tuesday und dann wieder am nächsten Dienstag (12. Februar) zwischen 12:00 und 22.00 Uhr ihre Stimme abzugeben.
"Und das halte ich für völlig inakzeptabel"
In Rom war Alison Kurke die erste in der Warteschlange der demokratischen Wähler vor der American Episcopal Church of St. Paul's. "Ich wähle Hillary", bekannte sie. "Ich möchte eine Frau im Weißen Haus sehen. Sie hat Erfahrung und sie hat Verstand." Hingegen favorisiert der 24-jährige Web-Designer James McGuire Obama. Er kam extra zur Stimmabgabe von Orvieto nach Rom. "Ich denke, das ist eine der wichtigsten Wahlen seit Jahren", sagte er. Wenn Obama nicht Präsident werde, dann gebe es mehr als 20 Jahre lang nur zwei Familien an der Spitze der USA. "Und das halte ich für völlig inakzeptabel."
Die Demokraten im Ausland bestimmen 11 Delegierte für den Nominierungsparteitag im August. Neben der Abstimmung im Wahllokal und der Briefwahl ist bei den Demokraten im Ausland auch die Online-Wahl möglich.
Außenpolitik als Antriebsmotor
Die meisten ausländischen Teilnehmer an den Vorwahlen treibt die Außenpolitik an. "Wir brauchen einen dramatischen Wandel im Ton und Tenor", sagte der in Warschau lebende Geschäftsmann Clifford Aron. "Wir brauchen jemand, der andere Kulturen wirklich versteht und dies der Welt vermitteln kann." Die Londonerin Gail Hanson wurde noch deutlicher: "Ich wähle Hillary, weil es für mich im Ausland peinlich ist, US-Bürgerin zu sein."
Auch in der Amerikanischen Kirche in Paris beteiligten sich hunderte an den Vorwahlen. Stolz hefteten sie sich anschließend den Sticker mit der Aufschrift "I voted" an die Jacke. "Wir hätten nie gedacht, dass sich so viele Amerikaner beteiligen", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung Democrats Abroad, Connie Borde.
Bei den Republikanern im Ausland war der Andrang weniger stark. Die Vorsitzende der Republicans Abroad in Großbritannien, Miki Bowman, räumte ein, dass bei den Demokraten mehr Engagement zu spüren sei. Dies werde sich aber sicherlich ändern, wenn die Kandidaten feststünden und wenn es auf die Präsidentenwahl am 4. November zugehe. "Ich denke, unsere Kandidaten polarisieren sehr viel weniger als bei den Demokraten."
In Hongkong konnten die Wähler der Demokraten in einem irischen Pub ihren Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur bestimmen. Rund 200 Amerikaner machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Unter ihnen war auch Professor Tim Fletcher. In den USA habe es acht Jahre lang nur Probleme gegeben, daheim wie international, sagte er. "Deshalb ist es wichtig zu wählen." Nach seiner Stimmabgabe für Clinton genehmigte er sich erst mal ein Bier.
(apa/ap/red)
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