Bedrohung durch Al Kaida in Deutschland:
'Virtuelle Terrorcamps' im Internet gefunden
- Im "Zentrum des Fadenkreuzes" des Terrornetzwerks
- Noch kein Anhaltspunkt für konkrete Anschlagspläne

·Al Kaida-Attentate in Deutschland geplant
Netzwerk hat operative Fähigkeiten wiedererlangt
·Warnung vor neuem Al-Kaida-Terror in USA
Geheimdienste warnen: "Fähigkeiten verbessert"
·Israel warnt Bürger vor neuen Anschlägen
Nach tödlichem Attentat in "Atomstadt" Dimona
Das deutsche Innenministerium sieht eine neue Qualität der Terrorgefahr in Deutschland. Es gebe Belege, dass Deutschland in das "Zentrum des Fadenkreuzes" des Terrornetzwerks Al Kaida gerückt sei, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Stefan Paris, in Berlin. Dabei verfolge El Kaida eine klare Planung. Er verwies vor allem auf neue Entwicklungen im Internet, wo "virtuelle Terrorcamps" in deutscher Sprache eingerichtet worden seien. Erst vom Jänner stammen auch die Anleitungen zum Bau von Bomben in einer Form von "Frontalunterricht". Die Ermittlungen hätten ergeben, dass diese Anleitungen auch tatsächlich funktionierten.
Das Innenministerium hob allerdings hervor, dass es anders als im vergangenen Sommer keine Anhaltspunkte für konkrete Anschlagspläne oder Verdächtige gebe. Damals waren wochenlang Terrorverdächtige bei ihren Anschlagsplanungen observiert und dann im Sauerland (deutsches Bundesland Nordrhein-Westfalen) festgenommen worden.
Öffentlichkeit hat Recht auf Information
Zugleich versicherte der Sprecher von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), dass die Warnungen nicht das Ziel hätten, "Angst und Panik" zu schüren. Es gehe auch nicht darum, "durch die Hintertür" andere Ziele wie etwa umstrittene Maßnahmen aus dem geplanten BKA-Gesetz durchzusetzen. Die Öffentlichkeit habe vielmehr ein Recht darauf, informiert zu werden. Er verwies erneut auf die Bemühungen, Attentäter gezielt auf Deutsch und in Deutschland zu werben.
Nach Afghanistan-Einsatz ist Deutschland Terrorziel
Der mit Terrorabwehr im Innenministerium betraute Staatssekretär August Hanning hatte zuvor gesagt, die Al-Kaida-Führer im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet planten nun auch Anschläge in Deutschland. "Die Entscheidung ist gefallen, auch in Deutschland anzugreifen", sagte Hanning. "Wir haben die Sorge, dass wir künftig nicht mehr jede Operation verhindern können." Nach Erkenntnissen des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) und des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz habe der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr dazu geführt, dass Deutschland in der Hierarchie der Anschlagsziele weit nach oben gerückt sei, berichtete die Zeitung weiter.
"Operative Fähigkeit" Al Kaidas wiederhergestellt
Hintergrund der Warnungen ist dem Bericht zufolge die Entwicklung im südlichen Afghanistan. Die durch den US-geführten Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom" vorübergehend geschwächte "operative Fähigkeit" Al Kaidas sei wiederhergestellt, sagte Hanning. Ganz gezielt würden aus dieser Region Muslime aus Deutschland geworben, um sie in Trainingslagern zu Gotteskriegern auszubilden. Dann würden die Männer, oft Konvertiten oder junge Türken, zurück nach Deutschland geschickt.
184 Ermittlungsverfahren gegen militante Islamisten
Auch BKA-Vizechef Bernhard Falk hob demnach mit Blick auf Al Kaida hervor: "Wir haben Hinweise, dass es neben den Planungen der Sauerland-Attentäter mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Planungsstränge gibt." Das BKA und die Länder führen dem Bericht zufolge bereits jetzt 184 Ermittlungsverfahren gegen militante Islamisten. 70 Menschen würden als "Gefährder" eingestuft und von der Polizei rund um die Uhr überwacht.
(apa/red)
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