Freitag, 8. Februar 2008

Bhutto starb durch Wucht der Explosion:
Schüsse waren also nicht die Todesursache

  • Laut Scotland Yard handelte es sich um Einzeltäter
  • PPP glaubt weiterhin an Tod durch Schussverletzung

Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist laut Scotland Yard beim Anschlag auf ihr Leben von der Wucht der Explosion getötet worden. Kurz zuvor abgefeuerte Schüsse seien nicht die Todesursache gewesen, heißt es in einem Abschlussbericht der britischen Ermittler. Deren Ergebnisse stützen frühere Angaben der pakistanischen Regierung. Bhuttos Pakistanische Volkspartei (PPP) wies den Bericht zurück und forderte abermals unabhängige Ermittlungen der Vereinten Nationen.

Nathaniel Cary, Pathologe im britischen Innenministerium, erklärte in Islamabad, Bhutto sei bei der Detonation des Sprengsatzes mit aller Wucht gegen Metallverstrebungen ihres Wahlkampfwagens geprallt und habe sich dabei eine tödliche Kopfverletzung zugezogen. Ferner heißt es in dem Bericht, dass alles auf nur einen Attentäter hindeute. Dieser habe zunächst Schüsse abgegeben und sich dann in die Luft gesprengt. Er habe sich nur etwa einen Meter von Bhuttos Wagen entfernt befunden und freien Blick auf sein Opfer gehabt.

Schüsse verfehlten Bhutto
Laut Scotland Yard verfehlten die drei Schüsse des Attentäters Bhutto. Eine Kugel streifte demnach Bhuttos Kopf, wodurch ihr Kopftuch in die Höhe gehoben wurde. Röntgenaufnahmen zeigten jedoch, dass die Verletzung an der rechten Seite ihres Kopes nicht von einer Kugel stamme. Da es sich um eine schwere Verletzung handle, könne ausgeschlossen werden, dass Bhutto sie sich zuzog, als sie sich bückte, um den Schüssen zu entgehen.

Anhänger und Familienangehörige Bhuttos haben diese Version des Ablaufs, die schon kurz nach dem Attentat von der Regierung verbreitet wurde, stets angezweifelt. Sie gehen davon aus, dass der Täter vor dem Sprengstoffanschlag noch tödliche Schüsse auf Bhutto abfeuerte. Der Regierung von Präsident Pervez Musharraf warfen sie mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor und deuteten deren mögliche Mittäterschaft an. Wie sonst hätte der bewaffnete Attentäter wohl so nah an Bhutto herankommen konnte, fragte die Opposition.

Eine PPP-Sprecherin kritisierte zudem, dass die britischen Ermittler von der pakistanischen Polizei abhängig gewesen seien, also keine unabhängige Untersuchung durchgeführt hätten. Deshalb müssten die Vereinten Nationen eingeschaltet werden. Eine Autopsie Bhuttos hatte auf Wunsch ihrer Familie nicht stattgefunden.

Musharraf hatte Scotland Yard nach dem Attentat vom 27. Dezember in Rawalpindi eingeladen, um Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung zufriedenzustellen. Die pakistanische Regierung und US-Geheimdienste sehen den Al-Kaida-nahen Taliban-Kriegsherrn Baitullah Mehsud als Drahtzieher des Anschlags. Vier Männer, die in das Attentat verwickelt sein sollen, wurden in den vergangenen Wochen festgenommen.

Trauerperiode ausgelaufen
Die im Islam vorgeschriebene 40-tägige Trauerperiode nach Bhuttos Tod lief aus, rund 10.000 Menschen versammelten sich dazu an ihrem Grab. Die PPP, die inzwischen von Bhuttos Ehemann Asif Ali Zardari geleitet wird, kündigte anschließend die Wiederaufnahme des Wahlkampfs an. Die Parlamentswahl wurde nach dem Attentat verschoben und auf den 18. Februar festgesetzt.
(apa/red)

8.2.2008 16:18