Dienstag, 5. Februar 2008

Proteste gegen FARC-Rebellen in Kolumbien: Zwei Millionen Menschen auf den Straßen

  • Kritiker vermuten Propagandaaktion der Regierung
  • FARC hält noch zwischen 700 und 1.000 Geiseln fest

Mehr als zwei Millionen Menschen haben in Kolumbien gegen die FARC-Rebellen protestiert und die Freilassung aller Geiseln gefordert. Die meist in weiße Kleidung gehüllten Demonstranten riefen immer wieder Slogans wie "Nein zur Geiselnahme" oder "FARC, es reicht". Auch in anderen Ländern kam es zu Protesten, insgesamt hatten die Organisatoren in weltweit 160 Städten zu Aktionen aufgerufen.

In der kolumbianischen Hauptstadt demonstrierten nach Polizeiangaben mehr als eine Million Menschen gegen die FARC. In Medellin im Nordwesten des Landes gaben die Behörden die Teilnehmerzahl mit knapp 500.000 an, auch in Cali im Südwesten gingen laut offiziellen Angaben eine halbe Million Menschen auf die Straße. Kritiker sprachen allerdings von einer Propaganda-Aktion der Regierung in Bogotá.

Die Veranstalter der Proteste bezeichneten sich selbst als unabhängig, allerdings wurden sie massiv von den Behörden unterstützt. Auch die Regierung hatte immer wieder zur Teilnahme an den Veranstaltungen aufgerufen. Sie sah in ihnen ein klares Votum gegen die FARC.

Auch im Ausland gingen Menschen gegen die FARC auf die Straße, u.a. in den USA, Kanada, Japan und Venezuela. In Paris versammelten sich 200 Menschen, hauptsächlich Kolumbianer. Allerdings wurde die Aktion von der Familie der französisch-kolumbianischen FARC-Geisel Ingrid Betancourt scharf kritisiert. "Wir verurteilen diese Manipulation. Es ist Propaganda und komplett von der Regierung organisiert", sagte ihre Schwester.

Die FARC hält in Kolumbien zwischen 700 und 1.000 Geiseln fest und machen damit Druck auf die Regierung in Bogotá. Die Rebellen wollen etwa 40 Geiseln im Austausch gegen rund 500 FARC-Kämpfer freilassen, die in kolumbianischen Gefängnissen sitzen. (APA/red)

5.2.2008 07:45