Kampusch-Anwalt mit BK-Chef unzufrieden: Eingeständnis sei 'Untertreibung des Jahres'
- Betont dafür 'unglaubliches Organisationsverschulden'
- Gößter Entführungsfall der 2. Republik weiterhin offen
·Kampusch: Mitteilung wohl 'falsch bewertet'
BK-Chef Lang bestätigt Fehler bei Ermittlungen
·Kampusch: Schüssel sieht Fehler bei SPÖ
Lässt sich Verantwortung nicht in Schuhe schieben
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SP-Cap droht offen mit Untersuchungsausschuss
·Kampusch-Anwalt von Platter enttäuscht
"Meine Mandantin will wirklich Aufklärung"
"Dass eine Mitteilung falsch bewertete worden sei, ist die Untertreibung des Jahres. Deshalb ist es auch nur ein relatives Eingeständnis." Empört hat Natascha Kampuschs Anwalt, Gerald Ganzger, auf das erste Bekenntnis von Fehlern im Entführungsfall der heute 19-Jährigen reagiert. Der neue Bundeskriminalamts-Leiter Franz Lang hatte in einer Radiosendung die inkorrekte Beurteilung von Informationen eingeräumt.
"Jetzt von Herrn Lang zu sagen, halbherzig und zugleich verharmlosend: Na ja, man ist halt einem Hinweis nicht nachgegangen, ist eigentlich ein Affront in Richtung Frau Kampusch", kritisierte Ganzger. "Die Worte von Herrn General Lang in allen Ehren, solange immer wieder versucht wird zu verharmlosen und zu relativieren, wäre es besser, wenn nichts gesagt und nur aufgeklärt wird." Nicht gelten ließ Ganzger die Erklärung Langs, er könne nicht garantieren, dass ihm bei den Ermittlungen nicht das selbe passiert wäre: "Das mag ehrlich sein, ändert aber nichts daran, dass nicht Herr Lang Maßstab für eine vorbildliches Vorgehen der Polizei ist", betonte er. Vielmehr gehe es um eine objektive Prüfung. Dass man durch den Entführungsfall gelernt habe, sei "überhaupt kein Trost für Frau Kampusch", dennoch sei es erfreulich, wenn für die Zukunft Konsequenzen gezogen werden.
Ganzger: Unglaubliches Organisationsverschulden
"Grundsätzlich war es logisch, dass da ein Eingeständnis kommen wird", meinte der Anwalt mit einem Verweis auf die "eindeutige Aktenlage": Zwei ganz konkrete Hinweise hätten zu weiteren Ermittlungszielen führen müssen. "Entweder wurden die beiden Ermittlungsergebnisse nicht miteinander verknüpft, dann liegt ein unglaubliches Organisationsverschulden vor, oder sie haben beide Ergebnisse übersehen oder ignoriert, kritisierte Ganzger die Arbeit der Polizei. Dieser Fehler wäre noch schlimmer und offenkundiger.
Bereits Wochen nach der Entführung sei der Täter Wolfgang Priklopil als Besitzer eines weißen Kastenwagens ohne Alibi identifiziert worden, so Ganzger. Das Fahrzeug habe genau der Beschreibung der einzigen Augenzeugin entsprochen. "Nur acht Tage später hätten die Aussagen eines Polizeibeamten den Verdacht vertieft: Er (Priklopil Anm.) ist Eigenbrötler, lebt alleine, hat seine Liegenschaft elektronisch abgesichert, hat außer seiner Mutter niemandem, der ihm nahe steht und laut Aussagen des Polizeihundeführers wird darüber geredet, dass er eine Hang zu Kindern hat", erklärte Priklopil. "Wenn diese beiden aktenkundigen Ermittlungsergebnisse die Polizei nicht veranlassen, tiefer zu gehen, was sonst?"
Gößter Entführungsfall der Zweiten Republik
"Es wurde kein weiterer Schritt gesetzt, es wurde nicht einmal der einzigen Augenzeugin ein Foto gezeigt", übte Ganzger scharfe Kritik am Vorgehen der Ermittler. "Und das nicht bei einem Hendl-Diebstahl, sondern dem größten Entführungsfall der Zweiten Republik. Das Drama geht aber weiter". 2002 habe eine neu gegründete Kommission die Aufgabe bekommen, im Rahmen eines Cold-Case-Managements alle Hinweise im Fall Kampusch zu evaluieren. "Auch die haben versagt", so Ganzger.
"Es geht nicht darum, irgendjemanden an den Pranger zu stellen, sondern es geht darum wenn Fehler passiert sind diese aufzuklären", betonte er. Mit der von Innenminister Günther Platter (V) einberufenen Evaluierungskommission ist man allerdings nicht ganz zufrieden. "Wir begrüßen grundsätzlich die Erweiterung", so Ganzger zur Nominierung von drei externen Mitgliedern.
Es sei dennoch völlig unklar, ob die Kommission tatsächlich unabhängig und weisungsfrei sei und welche rechtlichen und finanziellen Mittel sie erhalte. Sein Wunschkandidat für den Vorsitz sei der frühere Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, der nun als Präsident des Beirates von Transparency International Austria tätig ist: Der frühere Richter habe jahrelange Erfahrungen in der Prüfung von Schwachstellen sei auch Mitglied in der Kaprun-Kommission gewesen, so Ganzger. "Wenn aufgeklärt wird, dann soll natürlich auch die Pannen, Merkwürdigkeiten und möglichen Vertuschungen um Jahr 2006 einer genauen Prüfung unterzogen werden." (APA/red)
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