Wiener Bus rollte führerlos Straße hinab: Lenker ausgestiegen, um Tür zu reparieren
- Sechs Personen leicht verletzt. 15 Autos beschädigt
- Zwei Passagiere verhinderten schlimmere Tragödie

Bange Minuten für rund zehn Passagiere eines Wiener Busses: Das Fahrzeug der Linie "10A" hatte sich plötzlich führerlos in Bewegung gesetzt und schredderte an parkenden Autos entlang, teilte ein Sprecher der Wiener Linien mit. Zwei Fahrgäste - ein Zivildiener und eine Kursteilnehmerin des Samariterbundes - versuchten, den Bus in den Griff zu bekommen. Insgesamt wurden sechs Personen leicht verletzt - laut Wiener Städtischen soll es sich um vier Passanten und zwei Fahrgäste handeln.
Der Unfall ereignete sich in der Johnstraße im Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Der Bus hatte bei der Haltestelle "Märzstraße" angehalten. Als sich die hintere Türe nicht mehr schließen ließ, stieg der Lenker aus und hielt Nachschau. Währenddessen setzte sich der Bus in Bewegung und rollte ein Stück die abfallende Straße hinunter.
Ein 19-jähriger Zivildiener des Samariterbundes und eine Frau, die am Vortag einen Erste Hilfe-Kurs beim Verbund begonnen hatte, versuchten das Fahrzeug so zu lenken, dass es auf der rechten Straßenseite blieb. So habe der Bus nie seine volle Fahrt aufnehmen können, so der Sprecher der Wiener Linien. "Es war ein Reflex. Ich habe mir nur gedacht, da wird jetzt gleich was passieren und habe gemeinsam mit einer anderen Passagierin den Bus nach rechts gelenkt, um ihn zum Stehen zu bringen und das Schlimmste zu verhindern", berichtete der 19-jährige Daniel Macher, zuvor noch nie einen Bus gelenkt hatte. Die Insassen schafften es schließlich, den Bus in eine Querstraße gegen die Mauer eines Vorgartens zu lenken und so zu stoppen.
15 Pkw beschädigt
Das führerlose Gefährt beschädigte 15 parkende Pkw und ein Motorrad und zerstörte mehrere Einfriedungen, teilte die Wiener Städtische als Haftpflichtversicherer des Fahrzeugs mit. Nach vorläufigen Schätzungen werde sich die Sachschadenssumme auf 100.000 bis 150.000 Euro belaufen, so ein Sprecher. Schadensmeldungen könnten auch telefonisch bzw. über das Internet durchgeführt werden.
Seitens der Wiener Linien sprach man von einer "unglücklichen Verkettung von vielen Dingen". Der Bus werde noch eingehend untersucht, aber vorerst gebe es keine Hinweise auf einen technischen Defekt, so der Sprecher. Der Lenker dürfte vergessen haben, die Handbremse anzuziehen. Er dürfte vermutlich auch nicht die Vordertüre offen gelassen haben, als er aus dem Bus gestiegen war - sonst hätte es laut dem Sprecher eine automatische Bremse gegeben. Der Mann sei nach dem Unfall "fertig" gewesen. Die Johnstraße war teilweise komplett gesperrt. (apa/red)
