Universitäts-Studie beweist: Heimische
Firmen setzen veraltete IT-Systeme ein
- EDV "ist am Ende des Lebenszyklus angelangt"
- Hohe Kosten und Komplexität als Hemmschuh

Klein- und Mittelbetriebe haben bei der Modernisierung ihrer EDV zur Unternehmenssteuerung großen Nachholbedarf. Die eingesetzten IT-Systeme sind im Durchschnitt acht Jahre alt, bei einem Drittel der Firmen sogar schon mehr als zehn Jahre in Betrieb. Das ergibt eine Studie, die vom Marktforscher IDC und der Technischen Universität (TU) Wien im Auftrag des IT-Lösungsanbieters Kinamu in Österreich, Deutschland und der Schweiz durchgeführt wurde.
"Bei vielen Betrieben ist die EDV am Ende des Lebenszyklus angelangt und muss dringend erneuert werden. Dagegen sprechen aus Firmensicht vor allem die hohen Kosten und die Komplexität", erklärte Univ. Prof. Burkhard Kittl von der Technischen Universität (TU) vor Journalisten in Wien. Eine große Hürde sieht Kittl auch in der mit im Schnitt acht bis zehn Monaten sehr langen Einführungsdauer von Enterprise Resource Planning (ERP), also Systemen, durch die Geschäftsprozesse und Ressourcen im Unternehmen gesteuert werden können.
Viele Individuallösungen
Jedes zweite befragte Unternehmen setze Individuallösungen ein, wobei die Zufriedenheit gleich hoch sei wie mit Standardsoftware. Bei letzterer würden aber deutlich weniger Geschäftsprozesse am System vorbeigeschleust. Als Grund für die Einführung einer ERP-Lösung führten die Betriebe am häufigsten Konzernvorgaben an. Rund 87 Prozent haben laut Studie den Preis als Grund genannt, warum eine Lösung wie SAP bei ihnen nicht zum Einsatz kommt.
Als wichtiger Kostenfaktor wird dabei der laufende Support wahrgenommen. "Deshalb haben bereits mehr als 25 Prozent der befragten Unternehmen die Betreuung ihrer IT-Landschaft außer Haus vergeben", so Alexander Simon, Vorstand der Kinamu Business Solutions AG. Dabei gelte: Je mehr Mitarbeiter eine Firma hat, desto eher wird die IT im Haus gemanagt.
Markt für ERP und CRM wächst
Geld für die Modernisierung wäre laut Umfrage unter 150 Unternehmen durchaus vorhanden. Rund die Hälfte der Betriebe plant heuer und in den kommenden Jahren mehr zu investieren. Weniger als fünf Prozent wollen ihre Ausgaben für ERP-Systeme kürzen, erklärte Joachim Seidler, Leiter der österreichischen IDC-Niederlassung. Global betrachtet würde der Markt für ERP und CRM (Lösungen zum Management der Kundenbeziehungen) im Mittelstand deutlich zweistellig wachsen.
Die im Jahr 2007 gegründete Kinamu Business Solutions, ein Spin-off des Softwarekonzerns SAP, hat sich auf IT-Lösungen für den Mittelstand spezialisiert. Finanziert wurde der Start mit Venture Capital von Pontis Venture Partners und Tecnet Capital. Das Unternehmen mit Sitz in Wien hat vor kurzem eine Niederlassung in Deutschland eröffnet, für Mitte des Jahres ist auch der Markteintritt in der Schweiz geplant. (apa/red)
