Montag, 28. Jänner 2008

Gigant Nokia setzt Expansionspläne fort:
Software-Entwickler Trolltech geschluckt

  • Finnischer Hersteller legt 105 Mio. Euro auf den Tisch
  • Zuletzt wegen Werk-Schließungsplänen in Schlagzeilen

Der finnische Mobiltelefon-Hersteller Nokia kauft den norwegischen Software-Entwickler Trolltech für umgerechnet rund 105 Mio. Euro. Damit setzt der wegen Werk-Schließungsplänen in die Schlagzeilen geratene Handy-Gigant seine Expansionspläne fort und betont, dass "Trolltech eine wichtige Rolle bei der beschleunigten Implementierung der Software-Strategie Nokias spielt".

Der Transaktion hat bereits das Trolltech-Management zugestimmt, wobei der Vorstand auch den Nokia-Aktionären empfiehlt, die Offerte anzunehmen. Erst im Oktober 2007 gab Nokia seine Akquisitionspläne in Bezug auf Navteq bekannt, einem US-Anbieter von Navigationssoftware.

Konzentration auf Internet-Services
"Manche Beobachter schätzen die Trolltech-Übernahme gegenwärtig falsch ein, wenn sie jetzt mehr Nokia-Endgeräte mit Linux-Betriebssystemen erwarten. Stattdessen geht es um Entwicklungstools und Middleware. Die Akquisition ist der Übernahme von Intellisync durch Nokia ähnlich. Verglichen mit Nokia ist Trolltech sehr klein. So stellt sich die Frage, wo der neue Eigentümer das Innovationspotenzial sieht und vor allem wie man hier einen Hebel mit einbringt", sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Nicolas von Stackelberg. Der Experte sieht den Kauf Trolltechs im Rahmen einer übergeordneten Strategie Nokias, sich langfristig auf Internet-Services zu konzentrieren. Trolltech soll dabei helfen, die Software-Entwicklungsschnittstelle zwischen mobilen Anwendungen und dem PC-Bereich zu vereinfachen.

Auch andere Insider sehen in der Übernahme den Trend, dass sich Nokia verstärkt auf Anwendungen im mobilen Segment fokussiert. So strebt der Konzern an, unter anderem mit mobilen Musikdiensten unabhängiger vom Verkauf der Handy-Hardware zu werden und Umsätze aus der Anwendung von mobilen Geräten zu erzielen. Mit der Trolltech-Übernahme will Nokia eigenen Angaben zufolge die eigene plattformübergreifende Software-Strategie sowohl für Mobilgeräte als auch für Desktop-Anwendungen forcieren. Ziel sei es, Entwickler dahingehend zu motivieren, Anwendungen zu erstellen, die als Web-Applikationen und lokal auf mobilen Endgeräten sowie auf PCs arbeiten, heißt es in einer Aussendung.

Web-2.0 auf Mobilgeräten
Vor diesem Hintergrund liegt das mittel- bis langfristige Ziel darin, sich auf Geschäftsfelder zu konzentrieren, in denen man sich von der Konkurrenz abheben kann. Plattformübergreifende Software auf Basis der Nokia-Softwareplattformen zögen somit wesentliche Innovationen an und ermöglichen darüber hinaus moderne Web-2.0-Techniken auf Mobilgeräten, so Nokia.

Ungeachtet der Übernahme wollen die Finnen weiter wie bisher Trolltech-Produkte anbieten und eine Weiterentwicklung forcieren. Auch geplant ist, die Technik Trolltechs sowohl zu kommerziellen als auch mit Open-Source-basierten Lizenzen anzubieten. Das norwegische Unternehmen, das unter anderem den Unix/Linux-Desktop KDE plattformübergreifenden C++-Framework Qt sowie die mobile Linux-Anwendungsplattform Qtopia herstellt, gab erst vor kurzem bekannt, Qt auch unter GPL v3 zu lizenzieren. (pte/red)

Quelle: Pressetext

28.1.2008 16:57