Von der Splittergruppe zur Massenpartei: Der Weg der NSDAP zur Machtübernahme
- Hitler führte die NSDAP seit 1921 zur Erfolgspartei
- Straffe Parteiorganisation und große Finanzkraft

Ohne Adolf Hitler wäre die NSDAP wahrscheinlich eine Splitterpartei mit ein paar hundert Mitgliedern in der Weimarer Republik geblieben. Hitler machte sich Organisation jedoch seit den frühen 20er Jahren systematisch zunutze und baute sie für seine Ziele um. Wie ein Spinnennetz legte sich die NSDAP nach 1930 allmählich auf die sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche Deutschlands. Bis ins Privatleben der Menschen übte sie Kontrolle aus.
Anfang 1919 wurde die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) in München gegründet und gut ein Jahr später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umgetauft. Hitler trat im September 1919 bei, 1921 wurde er Vorsitzender. Schon das Programm von 1920 nannte die Schaffung eines Großdeutschlands, die Revision des Versailler Vertrages, die Einrichtung deutscher Kolonien und den Kampf gegen die Juden als politische Ziele. Das Hakenkreuz war das Parteisymbol, der "Völkische Beobachter" Parteiorgan. Die SA (Sturmabteilung) wurde seit den frühen 20er Jahren unter Ernst Röhm von der Saalschutztruppe zur Kampfgruppe, die sich mit ähnlichen Verbänden anderer extremistischer Parteien Straßenschlachten lieferte. Nach dem gescheiterten Hitler-Putsch am 9. November 1923 wurden NSDAP und SA verboten.
Wiederaufbau der Partei
Nach seiner Entlassung aus der Festungshaft 1925 machte sich Hitler an den Neuaufbau der NSDAP. Er verwandelte sie in eine schlagkräftige Organisation mit dem Ziel, über demokratische Wahlen an die Macht zu kommen. Seit 1926 wurden parteiintern der Hitlergruß eingeführt und der Parteichef als "Führer" bezeichnet. Die SA wurde wieder aufgebaut, zu Hitlers persönlichem Schutz entstand die SS (Schutzstaffel). Auf Parteitagen wurden Führerkult und Gemeinschaftsgefühl mit Aufzügen, Treuegelöbnissen und Fackelmärschen zelebriert.
Noch war die NSDAP eine von mehreren kleinen antisemitisch-völkischen Parteien. Aber ihre finanzielle Ausstattung war besser - Zuwendungen aus der Wirtschaft, Eintrittsgeld, Mitgliedsbeiträge und später die Aneignung jüdischer Vermögen füllten die Kassen. Programmatisch richtete sich die Partei vor allem an "den kleinen Mann", an die Mittelschichten, die sich vor wachsender Massenarbeitslosigkeit und sozialem Abstieg in der Weltwirtschaftskrise fürchteten.
Straffe Parteiorganisation
An der Spitze stand Hitler mit umfassender Befehlsgewalt. Ähnlich wie im Staat waren alle Parteiämter ihm untergeordnet und weisungsgebunden. Bis zu 18 Reichsleiter hatten eine ähnliche Stellung wie die Reichsminister. Es gab Parteiorganisationen für zahlreiche soziale und gesellschaftliche Gruppen. Mit der Hitler-Jugend (HJ) und dem Bund Deutscher Mädel (BDM) verschaffte sich die Partei Zugriff auf die Jugend. Komplett wurde das Spinnennetz der NSDAP mit der politischen Organisation, die sich in Gaue, Kreise, Ortsgruppen, Zellen und Blocks gliederte. Der Block als kleinste Einheit umfasste 40 bis 60 Haushalte.
Vor Hitlers Zeit war die NSDAP ein "trüber Hinterstubenverein mit wenigen hundert wenig bedeutenden Mitgliedern", urteilte der Publizist Sebastian Haffner in "Anmerkungen zu Hitler". Er habe sie zur "dampfenden und stampfenden Wahlkampfmaschine" gemacht, die ihn im Jänner 1933 schließlich ans Ziel brachte.
Aufstieg zur Massenpartei
1925 zählte die Partei 27.000 Mitglieder, 1928 rund 100.000 und während der Weltwirtschaftskrise 1929 rund 400.000. Nachdem Hitler seiner Partei 1933 mit dem Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat zur Staatspartei gemacht hatte, die anderen Parteien zerschlagen oder aufgelöst und Neugründungen verboten waren, zählte die NSDAP 1,5 Millionen Mitglieder. 1945 waren etwa 8,5 Millionen Deutsche in Hitlers Partei. Für Karriere und sozialen Aufstieg galt ein Parteibuch als nahezu unumgänglich.
Bei den Wahlen 1928 blieben die Nazis mit 2,6 Prozent noch eine kleine Splitterpartei. Die Weltwirtschaftskrise katapultierte sie im September 1930 auf 18,3 Prozent und machte sie zur zweitstärksten Fraktion nach der SPD. Mit 37,4 Prozent wurde sie im Juni 1932 stärkste Fraktion. Zu diesem Zeitpunkt war sie auch in vielen Länderparlamenten vertreten. Im September 1932 verlor sie vier Prozentpunkte, und die Kasse war leer. "Das Jahr 1932 war eine ewige Pechsträhne", schrieb Joseph Goebbels enttäuscht ins Tagebuch. Nach Zusammenbruch der Regierung Schleicher war Hitler am Ziel und wurde zum Kanzler einer nationalistischen Koalition ernannt. Er hatte die Macht formal legal übernommen.
Ausschaltung des Parlaments
Dass die NSDAP nicht früher mitregieren konnte, lag nicht nur an der persönlichen Abneigung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gegenüber dem "böhmischen Gefreiten". Hitler hatte sich bei den anderen Parteien nicht mit dem Anspruch auf die Kanzlerschaft durchsetzen können. In der letzten Reichstagswahl am 5. März erreichten die Nazis mit 43,9 Prozent das beste Wahlergebnis aller Zeiten. Die für die Ausschaltung von Parlament und Parteien nötige Zweidrittelmehrheit holten sie sich bei den Oppositionsparteien außer SPD und KPD, um zwei Wochen später die Ermächtigungsgesetze zu verabschieden.
(apa/red)
