Dienstag, 29. Jänner 2008

Vom Hoffnungsträger zum Totengräber: Hindenburg kapitulierte politisch vor Hitler

  • Als Präsident der Republik hat er deren Ende eingeleitet
  • Hindenburg machte aus Hitler einen Reichskanzler

Er wird als eine der Schlüsselfiguren der deutschen Geschichte gehandelt: Paul von Hindenburg. Als Militärlegende und überzeugter Monarchist spielte er auch in der Weimarer Republik eine wichtige Rolle. Nach langem Zögern machte der 85-jährige Reichspräsident am 30. Jänner 1933 den Weg für eine Regierung unter Führung der NSDAP frei und ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler. Obwohl der immer hinfälligere Hindenburg die Gefahr ahnte, gab er schließlich den Einflüsterungen seiner Berater nach - und besiegelte damit das Ende der Republik.

Es war seine einzigartige Militärkarriere, die Hindenburg zur Legende machte. Schon bei der siegreichen Schlacht von Königgrätz 1866 fällt der junge preußische Offizier durch seine Angriffslust auf. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 hält es ihn nicht im Ruhestand: Der überwältigende Sieg über die russische Armee macht ihn im August 1914 zum "Helden von Tannenberg".

Hindenburgs Dolchstoßlegende
Gemeinsam mit General Erich Ludendorff übernimmt Hindenburg 1916 die Oberste Heeresleitung. Die Doppelspitze wird immer einflussreicher und wird zu einem Hoffnungsträger der deutschen Kriegsbefürworter. Doch 1918 scheitert die von der Heeresleitung verantwortete Frühjahrsoffensive. Der Krieg ist verloren.

Vor dem Untersuchungsausschuss verbreitet Hindenburg die "Dolchstoßlegende": Die deutschen Truppen seien "im Felde unbesiegt" gewesen. Aber die Truppen hätten von vaterlandslosen Zivilisten einen Dolchstoß in den Rücken erhalten. Diese Verschwörungstheorie war ein kalkulierter Angriff auf die Sozialdemokraten, der das Klima in der jungen Demokratie vergiftet.

Hoffnung der Rechten
Nach dem Tod Friedrich Eberts 1925 wird Hindenburg als Kandidat der Konservativen und Rechten Reichspräsident. Zur Enttäuschung der Rechten ist er jedoch nicht bereit, die verhasste Republik zu beseitigen. Der alte Monarchist, der noch immer davon träumt, die Hohenzollern zurückzuholen, bleibt der republikanischen Verfassung treu.

Doch die Demokratie ist schwach: In der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre geht Hindenburg dazu über, mittels seiner Notverordnungskompetenzen am Parlament vorbei regieren zu lassen. Im Juni 1930 löst er den letzten Reichstag mit demokratischer Mehrheit auf. Die republikfeindlichen Parteien der Linken und Rechten werden durch diesen Schritt gestärkt. Die letzten drei Reichskanzler vor Hitler regierten nur noch mit Minderheitskabinetten.

Verachtung für Hitler
1932 erringt Hindenburg seinen letzten Sieg: Rund zwei Drittel der deutschen Wähler stimmen für den Präsidenten - und damit gegen Hitler. Noch tönt der Präsident: Den von ihm verachteten "böhmischen Gefreiten" werde er nicht einmal zum Postminister machen.

Doch der greise Präsident ist immer weniger Herr der Lage. Systematisch wird er von der Beraterclique um seinen intriganten Sohn Oskar abgeschirmt und desinformiert. In dem Glauben, Ex-Kanzler Schleicher plane für den nächsten Tag einen Staatsstreich, stimmt Hindenburg am 29. Jänner 1933 der Vereidigung eines Kabinetts Hitler zu.

Warnung Ludendorffs
Der alte Weltkriegs-Weggefährte Ludendorff protestiert: "Ich prophezeie Ihnen feierlich, dass dieser unselige Mann unser Reich in den Abgrund stürzen und unserer Nation unfassbares Elend bringen wird. Kommende Geschlechter werden Sie wegen dieser Handlung in Ihrem Grabe verfluchen."

Der immer hinfälligere Hindenburg erfüllt Hitler nun jeden Willen: Er unterschreibt Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz und ermöglicht damit die Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur. Beim inszenierten "Tag von Potsdam" am 21. März 1933 nimmt der 86-Jährige die Ehrerbietung von Reichskanzler Hitler entgegen - ein bedeutender Prestigegewinn für das NS-Regime. Das Elend, das Hitler über Deutschland bringt, erlebt Hindenburg nicht mehr. Er stirbt am 2. August 1934.

(apa/red)

29.1.2008 18:11