Freitag, 1. Februar 2008

Vergoldetes Handwerk: Wie Lehrberufe
von neuer Lehrlingsförderung profitieren

  • FORMAT: In Zukunft soll sich Qualität finanziell lohnen
  • Budget von 250 Millionen Euro: Regierung investiert

"Wir sind schon was ganz Besonderes", meint Martina Kalenda. Auf der Straße werden sie und ihre Kollegin Michaela Eder oft angesprochen - schließlich sind beide Rauchfangkehrerlehrlinge, Glücksbringer und als junge Frauen in ihrem Berufsstand noch die Ausnahme. Der Chef, Christian Habacht, ist von seinen Mädels überzeugt: "Die stehen schon ihren Mann, oder besser: ihre Frau!" Regelmäßig wird der Erfolg der Ausbildung überprüft, bei schlechten Noten gibt es Nachhilfe im Betrieb. Und für die einhundertprozentige Frauenquote bei seinen Lehrlingen wurde er mit der "Amazone" für mehr Frauen im Handwerk ausgezeichnet.

Habachts Engagement könnte sich künftig auch finanziell lohnen. Die Sozialpartner setzen in der neu verhandelten Lehrlingsförderung weniger auf zusätzliche Lehrstellen als auf Qualitätskriterien. Mit "gezielten Anreizen" will Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl etwa die Ausbildung der Ausbildner, Frauen im technischen Bereich, die Förderung von Lernschwachen oder die Lehre in Berufen mit Facharbeitermangel unterstützen.

Budget von 250 Millionen Euro
Dafür ist gut ein Viertel des mit etwa 250 Millionen Euro dotierten Förderungsbudgets vorgesehen. Der Rest wird für eine Basisförderung und den Blum-II-Bonus verwendet. Dessen Namensgeber, der Regierungsbeauftragte für Jugendbeschäftigung Egon Blum, ist damit wenig glücklich: "Jetzt werden nur mehr neue Lehrstellen von Firmen-Neugründern und jenen, die mehr als drei Jahre pausiert haben, gefördert." Bisher war es jede zusätzliche Lehrstelle, meint Blum zu FORMAT, das neue Modell sei "eine Reduktion der Originalphilosophie".

Die Vorreiter in Sachen Lehrlingsförderung lassen sich trotzdem nicht verschrecken. Rudolf Fischer, Generaldirektor der Telekom Austria, meint etwa: "Es ist unsere gesellschaftliche Verpflichtung, jungen Menschen eine Ausbildung und damit eine Chance auf einen attraktiven Arbeitsplatz, unabhängig von Förderungen, zu bieten." Bei der Telekom wird schon länger darauf geachtet, dass ein Drittel der Lehrlinge im Technikbereich Mädchen sind. Lehrling Katrin Mittersteger berichtet von guten Aufstiegschancen mit einer Lehre im Unternehmen, "bis hin zur Vorstandsebene". Ihre Ausbildung zur EDV- und Telekommunikationstechnikerin lohnt sich auch in finanzieller Hinsicht: Im vierten Lehrjahr bekommt sie knapp 1.100 Euro Lehrlingsentschädigung.

630 Euro im ersten Lehrjahr
Weit mehr als viele andere Lehrmädchen. Üblich sind Entschädigungen von 630 Euro im letzten Lehrjahr etwa bei einer angehenden Friseurin - bis zu 787 Euro bei künftigen Bürokauffrauen und Einzelhandelsangestellten. Trotzdem sind diese Berufe seit den 70er-Jahren unverändert die beliebtesten bei jungen Frauen: Nach wie vor will die Hälfte Verkäuferin, Sekretärin oder Friseurin werden.

Und das, obwohl diese Berufe laut AMS überlaufen sind: Auf 170 offene Lehrstellen im Einzelhandel kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich 775 Suchende. Ähnlich stark frequentiert war auch der Lieblingsberuf der Burschen - für neun lehrstellensuchende Mechaniker stand nur eine offene Stelle zur Verfügung. Wirtschaftkammerpräsident Leitls Rat an die Jugendlichen: "Rennts nicht alle in die gleichen Modeberufe!"

Sensibilisisierungsarbeit gefordert
Finanzielle Förderungen sind für Egon Blum aber nur die halbe Miete. Es braucht Sensibilisierungsarbeit und Aufklärung bei Lehrern, Eltern und Schülern. Siemens lädt deshalb zum jährlichen Töchtertag Schülerinnen in den Betrieb. Bei Veronika Bauer hat der Ausflug bewirkt, dass sie sich mit 15 für die technische Lehre entschlossen hat.

Siemens-Chefin Brigitte Ederer erklärt, warum man Werbung bei jungen Leuten macht: "Die Ausbildung des eigenen Personals ist die beste Versicherung gegen Facharbeitermangel." Seit 1996 können bei Siemens pro Jahr außerdem rund neun Jugendliche mit vermindertem Hörvermögen eine Lehre absolvieren. Ausbildungsleiter Gottfried Neuhuber: "Ohne die technische Lehre wären sie nur schwer auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar." Chancen, die auch Lebensmittelhändler Spar und das schwedische Möbelhaus Ikea lernschwachen Jugendlichen gibt. Bei Spar werden bei Bedarf Deutschkurse geboten. Und auch bei Ikea scheut man sich nicht vor Herausforderungen: "Nicht die Noten, sondern das individuelle Engagement ist uns bei Lehrlingen wichtig", betont die Lehrlingsbeauftragte Alexandra Eichinger.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen FORMAT 5/08!

1.2.2008 16:40