Mittwoch, 30. Jänner 2008

Deutsche Bahn-Streit endgültig beigelegt! Monatelanges Gehälter-Tauziehen zu Ende

  • Verträge sollen demnächst unterzeichnet werden
  • Noch letzte Gespräche mit anderen Gewerkschaften

Millionen Bahnreisende in Deutschland können aufatmen. Lokführergewerkschaft GDL und Deutsche Bahn haben ihren seit zehn Monaten andauernden Tarifkonflikt nach mehreren Streiks endgültig beigelegt. "Für uns ist der Konflikt beendet. Wir haben uns soeben geeinigt", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale in Berlin. Zuvor hatte auch GDL-Chef Manfred Schell erklärt, der Tarifvertrag sei "abschließend beigelegt".

Die Vereinbarung soll jetzt womöglich schon am Donnerstag unterschrieben werden und mit 1. März in Kraft treten. Bis dahin sollen auch die Modalitäten einer Zusammenarbeit der Gewerkschaften untereinander geklärt seien.

Tarifvertrag
Bereits Mitte Jänner hatten sich DB-Chef Hartmut Mehdorn und der GDL-Vorsitzende auf Druck von Deutschlands Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee auf Eckpunkte eines Tarifvertrages geeinigt. Die Vereinbarung sieht nach Gewerkschaftsangaben eine Einmalzahlung von 800 Euro für die vergangenen Monate vor. Ab dem 1. März 2008 gibt es für die Lokführer acht Prozent mehr Lohn. Weitere drei Prozent Aufschlag gibt es ab dem 1. September. Der Tarifvertrag gilt bis Ende 2009. Am 1. Februar 2009 wird auch die wöchentliche Arbeitszeit für das Fahrpersonal schließlich um eine auf 40 statt bisher 41 Stunden gekürzt.

Wesentliche Forderungen erfüllt
Mit dem Abschluss seien die wesentlichen Forderungen der Gewerkschaft erfüllt, sagte Schell. "Wir sind aus der erbarmungswürdigen Bezahlung für Lokführer herausgekommen." Die GDL hatte anfänglich 31 Prozent mehr Lohn gefordert, doch mit dem nun geschlossenen Kompromiss sei die Gewerkschaft zufrieden. In keiner Tarifauseinandersetzung würden die Forderungen einer Seite zu hundert Prozent umgesetzt.

Zwei strittige Punkte
Laut dem Gewerkschaftschef sind jetzt noch zwei strittige Punkte offen. Die Zugehörigkeit der Rangierlokführer sowie der Lokführer von Tochterfirmen müsse noch in Spitzengesprächen zwischen Gewerkschaft und Deutscher Bahn (DB) geklärt werden.

Kooperationsvertrag
Kurz zuvor hatte die DB noch auf einen Kooperationsvertrag der GDL mit den beiden anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA als Voraussetzung für einen Tarifvertrag mit der Lokführergewerkschaft bestanden. Dieser Kooperationsvertrag ist bisher nicht zustande gekommen. Einen Termin für die weiteren Gespräche gebe es noch nicht, sagte Schell. Sie sollten aber "zeitnah, eventuell kommende Woche" stattfinden. Bis März müssten die Gewerkschaften die Vereinbarung "über die Bühne bringen".

Knackpunkt bei diesen Verhandlungen ist, wer künftig für die Lokrangierführer zuständig sein soll. Die GDL will diese Berufsgruppe in den Lokführer-Tarifvertrag aufgenommen wissen, Transnet reklamiert die Zuständigkeit dafür ebenfalls. "Wir haben auch etliche Zugbegleiter" bei uns, deutete Schell eine mögliche Verhandlungslinie an. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der jahrelange "Kampf" zwischen den Gewerkschaften "endlich der Vergangenheit angehört".

(apa/red)

30.1.2008 20:06