Kein "Köpferollen" bei "Societe Generale": Bouton bleibt Chef trotz Banken-Skandal
- Frankreich: Daniel Bouton bot seinen Rücktritt an
- Verwaltungsrat sprach ihm einstimmig Vertrauen aus
Die durch Milliardenverluste erschütterte französische Großbank Societe Generale behält ihren Chef Daniel Bouton. Der Verwaltungsrat des Geldinstitutes sprach Bouton "einstimmig" das Vertrauen aus, wie es hieß. Der 57-Jährige leitet die Bank seit gut zehn Jahren.
Er hatte vergangene Woche seinen Rücktritt angeboten, nachdem die milliardenschweren heimlichen Spekulationen eines Händlers ans Licht gekommen waren. Anfang der Woche stellte auch Frankreichs Staatschef Sarkozy den Rücktritt des Bankchefs zur Diskussion.
Krisenausschuss
Die Bank will außerdem einen Ausschuss mit drei unabhängigen Mitgliedern einrichten, um die Krise zu bewältigen, wie sie mitteilte. Bouton gehört dem Komitee nicht an. Die Societe Generale hatte aus den Spekulationen eines Händlers vergangene Woche einen Verlust von 4,8 Mrd. Euro verbucht.
Unabhängige Experten sollen nach dem Willen des Verwaltungsrates jetzt den Skandal aufklären. Die Bank beauftragte die Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, sie zu unterstützen.
Rückendeckung von Zentralbank
Die französische Zentralbank hat sich hinter die von einem Handelsskandal erschütterte Großbank Societe Generale gestellt. Zentralbankchef Christian Noyer teilte mit, die Notenbank sei über die Probleme bei Societe Generale informiert worden und habe zugestimmt, dass die aufgebauten Handelspositionen rasch abgebaut werden sollten. Damit seien die Interessen der Kunden gewahrt worden. Noyer räumte allerdings ein, die Bank sei bereits im März 2007 vor Risiken im operativen Geschäft gewarnt worden.
Der Chef der französischen Börsenaufsicht AMF, Michel Prada, erklärte, Societe-Generale-Chef Daniel Bouton habe nach Aufdecken der milliardenschweren Positionen die richtige Entscheidung getroffen. "Wir waren der einhelligen Meinung, dass es außerordentlich gefährlich für das Institut und die Pariser Börse ist, mit der Nachricht an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor das Problem nicht gelöst ist", sagte er.
(apa/red)

