29.1.2008 13:20

Studenten liefern Team Gegneranalysen:
Sportwissenschaftler helfen Nationalteam

  • Minister Hahn präsentiert "Wissenschaft trifft Fußball"
  • Vier Projekte mit sechsstelliger Euro-Summe bezahlt

Studenten der Sportwissenschaft unterstützen das österreichische Fußball-Nationalteam mit einem "Daten-Recherche-Projekt" bei der Gegner-Analyse. Ziel der Kooperation zwischen Institut für Sportwissenschaften der Uni Wien und dem ÖFB ist es, das Nationalteam "optimal mit Informationen über potenzielle Gegner zu versorgen, um damit einen kleinen Baustein für die Vorbereitung des Teams auf die EURO 2008 beizutragen", erklärte der verantwortliche Wissenschafter, Mario Heller, bei der Präsentation des Projekts mit Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) und ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger in Wien.

Die Unterschiede zwischen den Mannschaften seien oft gering, spielentscheidend vielfach Zufall oder Information. So sei der Spickzettel des deutschen Tormanns Jens Lehmann legendär geworden, mit dem er im Viertelfinale der WM 2006 gegen Argentinien beim Elfmeterschießen die richtige Ecke erraten hatte, erinnerte Heller. Als Teil des "ÖFB-Scouting-Gesamtsystems" werden zehn Studenten Videos von TV-Aufzeichnungen sowie Internet- und Zeitungsbeiträge über künftige Gegner analysieren. Dabei geht es sowohl um Teamanalysen, wie Angriffs- und Abwehrverhalten bei definierten Ausgangssituationen, als auch um Spieleranalysen, etwa Situationen am und ohne Ball, Zweikämpfe, Schüsse, Rituale, etc.

Hickersberger ist überzeugt, dass "die Nationalmannschaft von dem Projekt profitieren wird und es optimale Voraussetzungen schafft, um bei der EM gut abzuschneiden". Der ÖFB habe schon bisher solche Analysen durchgeführt, diese würden nun "noch ausführlicher und akribischer". Welche Infos die Spieler davon erhalten, entscheide er, denn "zu viele Informationen können auch zum Overkill führen". Die Spieler würden natürlich auch DVD mit Videos von Länderspielen und potenziellen Gegnern erhalten, sagte Hickersberger.

Unter dem Titel "Wissenschaft trifft Fußball" werden neben diesem Projekt noch weitere Vorhaben vom Wissenschaftsministerium mit einem "sechsstelligen Euro-Betrag" gefördert, sagte Hahn. Das umfasst die Evaluierung des Projekts "Challenge 08", bei dem junge Spieler über Jahre in ihrer Entwicklung begleitet wurden, und die Publikation "Wissenschaft trifft Fußball", in der Wissenschafter und Publizisten wie Wendelin Schmidt-Dengler oder Konrad Paul Liessmann zum Thema Fußball schreiben. Zudem wird sich der Mathematiker Rudolf Taschner für Schüler Mathe-Beispiele mit Bezug zum Fußball ausdenken. Für Hahn ist die EURO 2008 eine "tolle Chance für die Wissenschaft, sich auch einzubringen und etwas zu entwickeln, das nachhaltig wirkt".
(apa/red)

29.1.2008 13:20
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