Jogi Löw bastelt an schlagkräftigem Team:
"Europameisterliche Vorbereitung" auf EM
- Auch das DFB-Team hat derzeit "einige Fragezeichen"
- "Wir werden am absoluten Limit spielen müssen"

·April, April bei der Europameisterschaft
Alles ist möglich: Sonne, Regen, Hitze oder Kälte
Vor dem ersten Länderspiel des Jahres in Wien gegen Österreich hat Joachim Löw mit einem Versprechen an die Fans den Countdown der deutschen Nationalmannschaft für die Fußball-EM eingeläutet. "Wir können nicht versprechen, dass wir Europameister werden. Aber wir können versprechen, dass wir uns europameisterlich vorbereiten", sagte der Bundestrainer in einem EM-Workshop des DFB in Frankfurt/Main und ergänzte: "Wir werden ein starkes Team ins Turnier schicken, das die Möglichkeit hat, es zu gewinnen."
Trotz der zahlreichen persönlichen Probleme seiner derzeit knapp 40 EM-Kandidaten will Löw von einer Alarmstimmung nichts wissen. "Sicher haben wir im Moment einige Fragezeichen", sagte der Ex-Austria- und Tirol-Coach mit Hinweis auf die Verletzungen von Torsten Frings oder Lukas Podolski sowie weitere Probleme bei seinen Nationalspielern in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde. "Aber das wird uns nicht unbedingt aus der Ruhe bringen."
Kapitän Michael Ballack, der wegen einer hartnäckigen Sprunggelenks-Verletzung fast ein Jahr nicht mehr für das DFB-Team gespielt hat, soll trotz einer aktuellen Waden-Blessur im ersten EM-Test am 6. Februar in Wien wie geplant sein Comeback im Nationaltrikot geben. "Wir gehen davon aus, dass er die Mannschaft aufs Feld führen wird", sagte Löw.
Den Plan, dass sich in der Partie gegen den dritten EM-Gruppengegner neben Polen und Kroatien eine Stamm-Mannschaft schon einspielen sollte, hat der DFB-Trainerstab nach einer viertägigen Klausur in den bayerischen Alpen bereits korrigiert. "Trotz der Wichtigkeit des Spiels werden wir bei einigen Spielern kein Risiko eingehen. Jetzt müssen wir flexibel sein", erklärte Löw. EM-Kandidaten wie Marcell Jansen, Arne Friedrich, Christioph Metzelder, Clemens Fritz, Bernd Schneider, Bastian Scheinsteiger oder Manuel Friedrich gingen oder gehen noch am Stock. "Wir hoffen, dass die Fragezeichen vor dem Turnier zu Rufzeichen werden", betonte der Bundestrainer.
Sorgenkinder Podolski und Lehmann
Das betrifft auch die Sorgenkinder Podolski und Jens Lehmann, mit denen Löw permanent in Kontakt steht. Lehmann wird Arsenal trotz seiner Reservistenrolle bei den Londonern im Winter nicht mehr verlassen, verriet der Bundestrainer. "Im Moment ist es so, dass Jens unser absolutes Vertrauen genießt", erklärte der DFB-Chefcoach, ohne Lehmann schon jetzt eine Einsatz-Garantie für das Turnier zu geben. Die Entscheidungen werden erst unmittelbar vor der EM fallen. Am 15. oder 16. Mai - unmittelbar vor der letzten Bundesliga-Runde - wird Löw seinen 23-köpfigen Kader nominieren, mit dem er am 19. Mai zur EM-Vorbereitung nach Mallorca aufbricht. Darüber hinaus werden einige mögliche Nachrücker auf Abruf gestellt.
Zeitproblem
Mehr noch als die aktuelle personelle Misere drückt Löw das Zeitproblem. Nach dem Spiel in Österreich gibt es vor der Nominierung nur noch einen Test am 26. März in der Schweiz. Und auch für den letzten EM-Schliff "stehen fünf Tage weniger zur Verfügung als vor der WM 2006", rechnete Teammanager Oliver Bierhoff vor. Als Resultat wird Löw auf das geplante Abschiedsfest für die Fans, mögliche Teambuilding-Maßnahmen und auch einen Fitnesstest wie vor der WM verzichten. Mehr denn je appelliert Löw an die Eigenverantwortung seiner Spieler: "Eine EM ist das schwierigste Turnier auf der Welt. Wir werden am absoluten Limit spielen müssen."
Mit der Diskussion, ob nun Weltmeister Italien, Vize-Weltmeister Frankreich oder Spanien Topfavorit der EM ist oder doch Deutschland, will Löw keine Energie verschwenden: "Wir im Trainerteam haben mit der Favoritenfrage nichts am Hut." In anderen Punkten dagegen wurde der Bundestrainer konkreter. Eine taktische Neuausrichtung wie zuletzt bei einigen EM-Kontrahenten beobachtet, die ein 4-5-1-System mit nur einer echten Angriffsspitze proben, schloss er deutlich aus: "Bei uns gibt es das klare Bekenntnis zu zwei Stürmern."
(apa/red)










