28.1.2008 10:42

Die EURO wird wohl kein Sommermärchen:
Meinungsforscher glauben nicht an Euphorie

  • Euphorie wohl nur bei einem Erfolg über Deutschland
  • Österreichische Europa-Aversion könnte sich mildern

Schon zwei Drittel der Österreicher glauben, sehr gut über die EURO 2008 informiert zu sein. Laut einer aktuellen Karmasin-Umfrage wissen neun von zehn Personen über Veranstaltungsort und -zeit bescheid. Die Euphorie über das anstehende Großereignis hält sich laut Meinungsforschern aber noch in Grenzen - und wird sich auch im Juni nicht ins Unermessliche steigern. Schuld daran ist hauptsächlich der ausbleibende Erfolg der heimischen Kicker.

"Die Stimmung in Österreich in Bezug auf die EURO ist seit einem halben Jahr relativ unverändert", weiß Christian Dominko, Leiter des "EM-Euphorometers" vom makam-Institut. Laut dem Stimmungsbarometer, das jede Woche anhand von 250 Befragungen erstellt wird, ist die Fußball-EM derzeit einem Drittel der Bevölkerung egal, dennoch könne man von einer positiven Grundstimmung sprechen. Zu einer Änderung der Einstellung werde es wohl frühestens kommen, wenn die Bundesliga-Spiele Mitte Februar beginnen, meinte Dominko.

"Zwar wird die Fußball-Euphorie während der EURO im kommenden Juni ansteigen, doch große Überraschungen erwarte ich nicht", prognostizierte Karin Cvrtila, Studienleiterin beim Meinungsforschungsinstitut OGM, gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. In Österreich sei nämlich das generelle Interesse für diesen Ballsport nicht so hoch wie etwa in Deutschland oder Italien. Grund dafür seien wiederum die mittlerweile eher spärlichen Leistungen der heimischen Vereinsmannschaften in den europäischen Cup-Bewerben.

Fußballverweigerer: Ältere und Frauen
Am ehesten lassen sich junge Männer mit geringer Bildung vom sportlichen Trubel mitreißen, weiß die Expertin. Die meisten Fußball-Verweigerer gibt es traditionell bei den Älteren und Frauen - auch wenn der Anteil der weiblichen Fans in den vergangenen Jahren leicht angestiegen ist. Dies führt Cvrtila unter anderem auf "frauenfreundlicheres Ambiente" wie saubere Toiletten oder Alkoholverbot in den Stadien zurück. Nationalbewusst sind die Österreicher aber laut Cvrtila generell nicht - und werden es auch während der EURO nicht im Übermaß sein. "Das Rahmenprogramm während der EM hat aber durchaus das Potenzial, Leute mit ins Boot zu holen, die sich sonst nicht für Fußball interessieren", glaubt Dominko.

Während der deutsche Nationalsport eindeutig Fußball ist, überholen hierzulande die Brettln das runde Leder: Skifahren ist in Gesamtösterreich, vor allem in den westlichen Bundesländern, beliebter - nicht zuletzt wegen der Erfolge österreichischer Rennläufer. Schon in der Vergangenheit brachten Klammer, Maier und Co. dem Land Ruhm und Ehre. "Die Bedeutung von sportlichen Erfolgen ist nicht mehr so hoch wie früher", schließt IMAS-Chef Andreas Kirschhofer im APA-Gespräch. Wegen mangelnder Erfolgschancen des Nationalteams könne bei der EURO aber das Sportliche ohnehin nicht im Mittelpunkt stehen.

Positiv für europäische Integration
Die EM könnte sich aber positiv auf die europäische Integration auswirken. Wenn die ausländischen Fans einen positiven Eindruck hinterlassen, könne ein Hochgefühl von Übereinstimmung die "österreichische Aversion gegen Europa" mildern. Auch habe Österreich die Chance, sein Image im Ausland weiter zu verbessern - vorausgesetzt, es kommt zu keinen Zwischenfällen. "Es sind durchaus Fallgruben mit der EM verbunden", sagte der Meinungsforscher. Hooligan-Ausschreitungen etwa könnten zu einem "traumatischen Erlebnis" werden, aber die Chance auf eine Verbesserung des europäischen Wir-Gefühls ist laut Kirschhofer viel höher.

Die Angst vor Sicherheitsproblemen während der EURO sei gering, meinten Cvrtila und Kirschhofer übereinstimmend. "Umfragen zeigen immer wieder, dass die Österreicher ein hohes Vertrauen in die Exekutive haben", erläuterte die Expertin. Laut der aktuellen Neujahrsumfrage von market glaubten 69 Prozent der Befragten, dass die EM ohne größere Zwischenfälle verlaufen wird, im April 2007 ergab der Infoscreen Monitor von OGM, dass 70 Prozent davon überzeugt sind, dass sie Sicherheitslage während der Fußballwochen im Sommer gleichbleiben wird.

Keine Angst vor kriminellen Ausländern
Laut aktuellem "EM-Euphorometer" von makam glaubt gar die Hälfte der Bevölkerung, dass die EM eher positive Auswirkungen auf die Sicherheitslage hat, weil sie als wichtige Erfahrung für die Polizei fungieren kann, wie Dominko im APA-Interview erläuterte. Die österreichische Furcht vor Ausländerkriminalität wird laut Kirschhofer nicht auf die Fans aus dem Ausland übertragen werden, denn diese werden als Touristen und nicht als Asylwerber empfangen.

"Eine langfristig höhere Fußball-Begeisterung werde die EURO hierzulande wohl nicht bewirken, auch wenn die Euphorie kurzzeitig ansteigen wird", resümierte Cvrtila. Auch von einem nationalen Wir-Gefühl wie 2006 in Deutschland dürften Herr und Frau Österreicher wohl nicht ergriffen werden. Einzige Ausnahme: Wenn Österreich Deutschland besiegt - "dann könnte sich alles umkehren", sagte Cvrtila halbernst.
(apa/red)

28.1.2008 10:42
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