Montag, 28. Jänner 2008

"Privatier" Miller ist jetzt Weltcup-Leader:
Die ÖSV-Herren rutschten in Chamonix aus

  • US-Star übernahm im 'Raich-Monat' Weltcup-Führung
  • Im Gesamtweltcup 62 Punkte vor Benjamin Raich

Am Tag nach seinem erstmaligen Sieg in einer Super-Kombination leckte Bode Miller in Chamonix seine Wunden. Der 30-jährige US-Star tröstete sich nach zwei schweren Trainingsstürzen mit der erstmaligen Führung im Gesamt-Weltcup über seine schmerzenden Prellungen hinweg. Erobert hat der Weltcup-Gesamtsieger von 2005 diese Führung durch einen höchst erfolgreichen Jänner.

In ersten Monat des Jahres, in dem an sich stets Benjamin Raich zur Höchstform aufläuft, ist Miller nicht nur mit seinem 29. Sieg dem Österreicher bis auf einen Erfolg nahe gerückt, er hat dem Tiroler erstmals auch die aktuelle Gesamtwertung abgeknöpft. Die Kombi-Kristallkugel ist Miller bereits praktisch sicher.

Seit seinem ersten Saisonsieg kurz vor dem Jahreswechsel in der Bormio-Abfahrt hat Miller drei weitere Rennen gewonnen und insgesamt 661 Punkte gemacht. 561 davon alleine im Jänner, während Raich in "seinem" Monat, in dem er 15 seiner bisher 30 Weltcupsiege gefeiert hat, gerade einmal 384 geschafft hat. Damit liegt der US-Amerikaner nach 27 von 41 für die Kristallkugel relevanten Einzelwertungen 62 Punkte vor dem Tiroler.

Gesamtweltcup keine Utopie
Auch Millers Head-Rennchef Rainer Salzgeber führt die Rückkehr des Nonkonformisten aus New Hampshire an die Spitze in erster Linie darauf zurück, dass sich der Amerikaner im Sommer vom US-Skiverband abgenabelt hat und seitdem als "Privatier" mit seinem "Team America" im Wohnmobil durch den Weltcup tingelt. "Wir haben aber sicher auch auf dem Materialsektor einiges weitergebracht. Schnell war er ja immer schon, nur ist er am Saisonbeginn zu selten durchgekommen. Jetzt fährt er aber konstant und sicher", so Salzgeber. "Wenn er fit bleibt und auf diesem Niveau bleibt, kann es auch wieder mit dem Gesamt-Weltcup klappen."

Zudem hat Miller auch Steherqualitäten. Dem wilden Crash im Chamonix-Abfahrtstraining folgte am Samstag im Slalomtraining ein wilder Überschlag und ein harter Sturz auf das Becken. "Mich hätte nicht gewundert, wenn er in der Kombi nicht angetreten wäre. Denn der Sturz war wirklich brutal, ein echter Highsider", erinnerte sich Salzgeber am Montag auf dem Weg zur Head-Pressekonferenz bei der Sportartikelmesse ISPO in München. Dort musste man im Gegensatz zu Hermann Maier und Co. auf den weidwunden US-Fahrer ("Ich bin die Kombi praktisch auf einem Bein gefahren") verzichten.

Maier scheiterte am Skischuh
Maier hatte in Chamonix nach Platz 44 in der Abfahrt gemotzt, dass man doch in der Woche zwischen Kitzbühel und Chamonix das Skifahren nicht verlernen könne. "Stimmt", so Salzgeber. Chamonix habe aber spezielle Anforderungen an die Abstimmung, speziell beim Skischuh erfordert. Auch Miller habe sich im Training in einem neuen Modell wohler gefühlt, sei im Rennen aber wieder auf die alten gewechselt.

Ein spezielles Problem, das schon am Wochenende in Val d'Isere keine Rolle mehr spielen sollte. Dort wird bei der WM-Generalprobe der Herren auf der legendären Olympia-Piste Face de Bellevarde wieder eine Abfahrt und eine Superkombi ausgetragen.

Perfekte Gelegenheit also für Raich und Co., Wiedergutmachung zu betreiben. Trotz angekündigtem Schlechtwetter bleibt man in Frankreich dem Originalplan treu und wird versuchen, am Mittwoch erstmals zu trainieren. Auch ÖSV-Coach Andi Evers ist überzeugt, dass Chamonix punkto Abstimmung ein "Ausrutscher" war. "Der Schnee dort war ganz speziell, da sind wir etwas daneben gelegen", so der Salzburger. "Aber in Val liegt alles in der Sonne, einige Kurven sind mit Balken präpariert. Da sollten wir keine ähnlichen Probleme haben."

Walchhofer ist krank
Auch wegen Raich sei Panik unangebracht. "Der Jänner war bei ihm sicher schon mal besser und in Chamonix ist auch er komplett daneben gelegen. Wir müssen die Lehren daraus ziehen und nach vorne schauen. Einfach ganz normal weiterkämpfen."

Ob das Michael Walchhofer in Val d'Isere schon wieder tun kann, ist offen. Der Salzburger, der sich krank als 18. ins Abfahrtsziel von Chamonix gekämpft hat, liegt seitdem zu Hause in Österreich im Bett. "Er ist ziemlich bedient", so Evers.

(apa/red)

28.1.2008 13:58