Montag, 28. Jänner 2008

Freudentränen bei den Europameistern:
Ganz Dänemark feiert seinen Erfolgstrainer

  • "Ekstra Bladet" fordert: "Baut Ulrik ein Denkmal"
  • "Wikinger" als Europameister 2010 nach Österreich

"Es ist zum Heulen", schrieb die Zeitung "B.T" über Dänemarks ersten EM-Titel der Männer-Handball-Geschichte und meinte natürlich Freudentränen. Schon lange nicht mehr hat ein sportlicher Erfolg die Skandinavier so in seinen Bann gezogen wie das 24:20 gegen Olympiasieger Kroatien im Endspiel in Lillehammer.

"Baut Ulrik ein Denkmal", verlangte "Ekstra Bladet" als Ehrung für Erfolgstrainer Ulrik Wilbek nach dem Triumph. Die früher linksorientierte "Information" bemerkte, dass der alles entscheidende Siebenmeter von Lars Christiansen gegen die "deutsche Pomfritter" im Halbfinale die "Nationalstimmung einen Takt nach oben befördert hat".

Zehntausende wurden auf dem Kopenhagener Rathausplatz erwartet, um den alles überragenden Torhüter Kaspar Hvidt und seine Mitspieler nach der Rückkehr vom Turnier in Norwegen zu feiern. Vor dem Rathaus hatten die Massen bereits 1992 den Überraschungssieg der dänischen "Spaß-Fußballer" gegen das favorisierte Deutschland bejubelt. 1996 ließ sich der Radsport-Profi Bjarne Riis nach seinem Sieg bei der Tour de France lieber im Vergnügungspark Tivoli gleich nebenan feiern, weil man da Eintritt kassieren konnte.

Neue Sport-Idole für Dänemark
Aber Riis strahlt, ebenso wie sein jüngerer Landsmann und verhinderter Tour-Sieger Michael Rasmussen, nach endlosen Doping-Affären auch im eigenen Land keinen Glanz mehr aus. Das einstige "Danish Dynamite" im Fußball zündet ebenfalls nicht mehr. Jedenfalls hat die Elf von Trainer Morten Olsen nicht nur die Qualifikation für das deutsche WM-"Sommermärchen" 2006, sondern auch zur bevorstehenden EM in der Schweiz und Österreich sang- und klanglos verpasst.

Da außerdem die Handball-Frauen nichts mehr gewinnen, kam die Europameisterschaft für die Männer, die zuletzt dreimal en suite EM-Bonze geholt hatten, genau zum rechten Zeitpunkt. Knapp zwei Millionen Dänen, 37 Prozent der Gesamtbevölkerung, fieberten vor dem Fernseher mit, als Wilbeks Mannen ihre letzten Kräfte nach acht Spielen in zehn Tagen mobilisierten.

EM 2010 in Österreich
"Viele unserer Spieler brauchten am Ende eigentlich Gehhilfen", notierte "Ekstra Bladet". Und freute sich, dass durch den EM-Titel auch noch automatisch die Olympia-Qualifikation geschafft wurde: "Hoffentlich ist jetzt bald Peking-Zeit." Als Europameister kommen die "Wikinger" 2010 nach Österreich. Titelverteidiger Frankreich musste sich in Norwegen nach einem 36:26 im "kleinen Finale" gegen Weltmeister Deutschland mit dem dritten EM-Platz begnügen.

Am EM-Schlusstag war auch Österreich präsent. Und das nicht nur, weil die "Wikinger" als Europameister 2010 in der Alpenrepublik antreten werden. In Lillehammer wurde offiziell die Fahne des Europäischen Handball-Verbandes (EHF) an den nächsten EM-Ausrichter (Spielorte Wien, Wr. Neustadt, Graz, Linz, Innsbruck) übergeben, sie wechselte von Norwegens OK-Chefin Grete Ingens an ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner.
(apa/red)

28.1.2008 13:42