Dienstag, 5. Februar 2008

'The Winner takes it all': Hochspannung nach Wahl-Beginn am 'Super-Tuesday' in den USA

  • Duell Obama vs. Clinton bei Demokraten im Zentrum
  • John McCain gilt als republikanischer Top-Favorit

In den USA hat der mit Spannung erwartete "Super-Dienstag" der Kandidaten-Kür für die US-Präsidentenwahl begonnen. Insgesamt wird an diesem Tag in 24 Bundesstaaten abgestimmt. Die ersten Wahllokale öffneten um 6.00 Uhr Früh (Ortszeit, 12.00 MEZ) unter anderem in den wichtigen Ostküsten-Staaten New York und New Jersey. Jüngste Umfragen deuteten auf ein Kopf-an-Kopf- Rennen zwischen den demokratischen Bewerbern Hillary Clinton und Barack Obama hin. Bei den Republikanern hatte sich dagegen in den vergangenen Tagen John McCain immer deutlicher als Favorit herauskristallisiert. Erste Ergebnisse werden in der Nacht ab 1.00 Uhr MEZ erwartet, wenn die ersten Wahllokale an der Ostküste wieder schließen.

Die New Yorker Senatorin Clinton - die lange Zeit als klare Favoritin der Demokraten galt, bevor Obama deutlich aufholen konnte -, stellte sich am Montagabend in einer selbst arrangierten und finanzierten Fernseh-Talk-Show den Fragen von Anrufern. Ihr Mann, der frühere US-Präsident Bill Clinton, und Tochter Chelsea waren im Publikum. Obama veranstaltete in New Jersey eine Kundgebung mit Edward Kennedy und dessen Nichte Caroline, der Tochter des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Man dürfe den Vorhersagen nicht immer glauben, sagte der Senator aus Obama: "Manchmal gewinnt auch der Außenseiter!"

"Ich kann dieses Land führen"
McCain zeigte sich zuversichtlich, dass er bei den Republikanern triumphieren werde. "Ich kann dieses Land führen", sagte der Senator aus Arizona während einer Wahlkampfveranstaltung in New Jersey. Romney äußerte sich ebenfalls optimistisch und erklärte, die "Liberalen" in der Partei würden bei diesen Vorwahlen eine Überraschung erleben. Der Begriff "liberal" wird bei konservativen Amerikanern stets abwertend verwendet. Der Baptistenprediger Mike Huckabee konzentrierte seinen Wahlkampf inzwischen auf die Südstaaten, wo er um die Unterstützung der christlichen Konservativen warb.

Huckabee nur mehr Außenseiter
Bei den Abstimmungen geht es für die Bewerber um entscheidende Delegiertenstimmen für die Nominierungsparteitage ihrer jeweiligen Partei im Spätsommer. Bei den Republikanern waren 1.023 von insgesamt 2.380 Stimmen zu vergeben. Für eine Nominierung erforderlich sind 1.191 Stimmen. McCain kam nach Schätzungen von CNN - die auch jene Delegierten beinhalten, die nicht an die Vorwahlergebnisse gebunden sind - bisher auf 97 Delegierte, Romney auf 92. Huckabee gilt mit bisher 29 Stimmen nur mehr als Außenseiter.

"The Winner takes it all"
Bei allen Vorwahlen der Demokraten und vielen der Abstimmungen der Republikaner gilt das Verhältniswahlrecht. In neun Staaten sollte aber der siegreiche Bewerber der Republikaner ungeachtet seines Prozentsatzes der Wählerstimmen alle Delegiertenstimmen erhalten ("winner takes all"). Deshalb erwarteten Beobachter relativ eindeutige Ergebnisse bezüglich des künftigen Kandidaten der bisherigen Regierungspartei.

Bei den Demokraten wurde aufgrund des Proporzsystems mit eher unklaren Mehrheitsverhältnissen und damit auch noch keiner endgültigen Entscheidung gerechnet. Die demokratischen Bewerber konnten sich am "Super Tuesday" 1.681 von insgesamt 4.049 Delegiertenstimmen sichern, notwendig für eine Kandidatur sind 2.025. Bisher hatte Clinton laut CNN - auch hier unter Einbeziehung ihr zugeordneter, aber in ihrem Stimmverhalten freier "Superdelegierter" - 232 sicher, Obama 158.

Ergebnisse aller Abstimmungen wurden wegen der Zeitverschiebung erst in der Nacht erwartet. Erste Resultate aus Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten US-Staat, sollten Mittwoch früh ab 5.00 Uhr MEZ vorliegen, wenn die dortigen Wahllokale schließen.

(apa/red)

5.2.2008 12:22