Phil, wie lang dauert der Winter denn noch? Punxsutawney feiert heute "Groundhog Day"
- Sieht der Murmler seinen Schatten, bleibt es kalt
- Tausende Besucher kommen ins kleine US-Städtchen

Vergiss Hillary und Obama und die Wahlen in den USA: Heute gibt es einen anderen Star - das Murmeltier "Phil". Jedes Jahr am 2. Februar rückt der Kleine ins Rampenlicht und mit ihm eine kleine Gemeinde mit unaussprechlichem Namen. Dann ist "Groundhog Day", der Murmeltiertag, an dem Amerika und der Rest der Welt erfahren, wie lange es noch stürmt und schneit.
Im vergangenen Jahr hatte der Wetterfrosch mit Pelz gute Nachrichten: Er sagte einen baldigen Frühlingsanfang voraus. Lag er richtig? Der "Groundhog-Club" findet schon diese Frage beleidigend. "Phil" liegt natürlich immer richtig, sagt man hier. Und wer könnte dem auch widersprechen: Seine Voraussage ist schließlich universal. Irgendwo wird es gewiss bald Frühling oder dauert der Winter noch sechs Wochen.
Publikumsmagnet
"Phil" lebt in Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania oder genauer gesagt in einem nahe gelegenen Wäldchen. Durchschnittlich 30.000 Besucher zieht es jedes Jahr an Maria Lichtmess zur Zeremonie mit "Phil" ins Wäldchen Gobbler's Knob. Die ersten Pilger kommen schon kurz nach Mitternacht, aber erst gegen 7.30 Uhr ist es so weit. Dann kommt der Führungszirkel des "Groundhog-Clubs", 15 Männer in Frack und Zylinder. Mit einem Stock schlägt der Zeremonienmeister beim Sonnenaufgang an "Phils" Winterquartier, einen Baumstamm, weckt den Propheten und hebt ihn heraus. Sieht "Phil" seinen eigenen Schatten, heißt das sechs Wochen weiter Zittern. Sieht er ihn nicht, lässt der Frühling bald sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern.
"Phils" Vorhersage wird offiziell verkündet, nachdem er sie dem Präsidenten des Zirkels zugemurmelt hat - auf Groundhogesisch, sprich Murmeltierisch. Niemand anders kann die Sprache verstehen als der "Chef" höchstpersönlich, und er hat auch die Ehre, die Nachricht für alle gewöhnlichen Sterblichen der Welt ins Englische zu übersetzen.
Alter Brauch
Die alljährliche Tradition an Maria Lichtmess - ungefähr in der Mitte zwischen dem kalendarischen Winter- und Frühlingsanfang - geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Brauchtum-Forscher glauben, dass sie ihren Ursprung in Legenden amerikanischer Ureinwohner und deutscher Siedler hat, die dann miteinander verschmolzen. Danach glaubte ein seinerzeit in Punxsutawney lebender Indianerstamm, dass seine Vorfahren Murmeltiere waren. Die christlichen Siedler wiederum brachten die "Weisheit" mit, dass ein Murmeltier an Maria Lichtmess aus dem Winterschlaf erwacht und dann wieder für weitere sechs Wochen im Bau die Augen schließt, wenn es draußen seinen Schatten gesehen hat.
Die Geschichte besagt, dass die Menschen zum ersten Mal am 2. Februar 1887 in Strömen zu "Punxsutawney Phil" in den Wald pilgerten. 121 Jahre alt ist der Gute somit, eine ungewöhnlich lange Lebensdauer, wenn man bedenkt, dass das Natur-Lexikon Murmeltieren nur bis zu 15 Jahre einräumt. Aber "Phil" schlürft auch jeden Sommer ein nach einem Geheimrezept zusammengebrautes Lebenselixier. Das sichert ihm laut Webseite des "Groundhog Club" jedes Mal sieben weitere Lebensjahre. Wie viele "Phils" hat es wirklich gegeben? Völlig egal: Jeder ist einzigartig.
Das Murmeltier lässt grüßen
"Panxatoni", wie sich der Name der 6.000-Seelen-Gemeinde ungefähr ausspricht, ist spätestens seit dem Filmhit "Und täglich grüßt das Murmeltier" von 1993 auch international ein Begriff. Im Mittelpunkt der Komödie steht ein egozentrischer TV-Meteorologe (Bill Murray), der die Nase davon voll hat, jedes Jahr über den "Groundhog Day" aus Punxsutawney berichten zu müssen. Zur Strafe bleibt für ihn die Zeit stehen. Jeden Morgen wacht er auf und erlebt, dass es wieder der 2. Februar ist, wieder der "Murmeltier-Tag". Erst als sich der ichbezogene Wetterfrosch läutert und erkennt, was wirklich wichtig im Leben ist, beginnt der 3. Februar. (APA/red)
