Freitag, 1. Februar 2008

US-Raketenangriff auf Terroristen-Versteck: Al-Kaida-Kommandant in Pakistan getötet

  • Abu Laith al-Libi hielt sich nahe der Stadt Mir Ali auf
  • Die CIA streitet jede Verwicklung in den Angriff ab

Einer der höchsten Kommandanten des Terrornetzwerks Al-Kaida in Afghanistan, Abu Laith al-Libi, ist bei einem Raketenangriff in Pakistan getötet worden. Eine unbemannte US-Drohne, wie sie vom Geheimdienst CIA wiederholt benutzt wurden, feuerte eine panzerbrechende Rakete auf ein Versteck nahe der pakistanischen Stadt Mir Ali, bestätigte ein hochrangiger US-Beamter. Auch zwölf weitere militante Kämpfer sollen bei dem Angriff ums Leben gekommen sein.

Mir Ali liegt in Nord-Waziristan und gehört damit zu den quasi-autonomen Stammesgebieten Pakistans, die als Rückzugsnester von Terroristen gelten und wo die Regierung in Islamabad nur eingeschränkte Verfügungsgewalt besitzt. Unbemannte Drohnen vom Typ "Predator" wurden vom US-Geheimdienst CIA entwickelt und bereits mehrfach als ferngesteuerte Waffe gegen mutmaßliche Terroristen eingesetzt.

Die CIA wollte jedoch keine Verwicklung in den Luftangriff auf Libi einräumen. Die Regierung in Islamabad hatte US-Einsätze auf pakistanischem Gebiet wiederholt und energisch zurückgewiesen. In der vergangenen Woche war CIA-Direktor Michael Hayden nach Angaben aus US-Regierungskreisen zu einem Gespräch mit Staatschef Pervez Musharraf in Pakistan. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt.

Top-Terrorist
Libi war nach Ansicht von Terrorismus-Experten ein wichtiges Bindeglied zwischen der Al-Kaida und den radikal-islamischen Taliban, die Afghanistan beherrschten, ehe sie Ende 2001 durch eine US-geführte Invasion nach dem Anschlägen vom 11. September in den USA gestürzt wurden. Er leitete Ausbildungslager der Al-Kaida und erschien in mehreren im Internet verbreiteten Videos. Libi soll auch hinter einem Anschlag auf die US-Militärbasis in Bagram nördlich von Kabul im vergangenen Februar stecken, bei dem während des Besuchs von US-Vizepräsident Dick Cheney 23 Menschen getötet wurden.

Die Regierung in Islamabad wollte den Tod Libis nicht bestätigen. Die Stammesgebiete an der afghanischen Grenze entziehen sich jedoch weitgehend der Kontrolle der Zentralregierung und gelten als Rückzugsgebiete für Anhänger der Al-Kaida und der Taliban. Die USA forderten Pakistan daher zuletzt verstärkt auf, in der Region nach mutmaßlichen Terroristen zu suchen.

Libi sei als Märtyrer im benachbarten Pakistan gestorben, hieß es zuerst ohne weitere Details auf einer Internetseite, die häufig von Islamisten für Ankündigungen benutzt wird, wie das auf die Beobachtung von Al-Kaida-Botschaften spezialisierte SITE-Institut in Washington berichtete. Zum ersten Mal kam ein Aufklärungsflugzeug "Predator" 2002 im Jemen als Waffe zum Einsatz, als eine Rakete sechs in einem Fahrzeug sitzende mutmaßliche Al-Kaida-Anhänger tötete. (APA/red)

1.2.2008 08:12