Freitag, 1. Februar 2008

Lage für Soldaten zu gefährlich: EUFOR stoppt mehrere geplante Flüge in Tschad

  • Auch zwölf Soldaten aus Österreich davon betroffen
  • Bundesheer beharrlich: "Keine direkte Bedrohung"

Der Flug einer österreichischen Transportmaschine in den Tschad ist offenbar angesichts der unsicheren Lage im Tschad abgesagt worden. Laut einem Sprecher im Hauptquartier der EUFOR-Mission bei Paris, den die Nachrichtenagentur AFP zitierte, sind dieser und zwei weitere Flüge "wegen der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen" nahe der Hauptstadt N'Djamena gestrichen worden.

Die gestrichenen Flüge betreffen neben ungefähr 50 Soldaten aus Irland auch zwölf Soldaten aus Österreich - laut dem österreichischen Truppensprecher Wolfgang Schneider "die normale Besatzung der Herkules-Transportmaschine". Das österreichische Transportflugzeug des Typs C-130 sei voll beladen von Linz in Richtung N'Djamena gestartet und "wie vorgesehen in Tripolis (Libyen) aufgetankt worden". Dann habe es keine Genehmigung für einen Weiterflug gegeben. Es sei "zum gegebenen Zeitpunkt nicht möglich, nach N'Djamena hineinzufliegen", erklärte Schneider gegenüber der APA.

Ob die drei Flüge wegen der verschlechterten Sicherheitslage rund um die tschadische Hauptstadt abgesagt worden seien, wollte der Presse-Offizier nicht bestätigen und verwies auf das EUFOR-Kommando in Paris. "Die Lage ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unverändert", betonte er. "Es besteht keine direkte Bedrohung der EUFOR oder unserer Soldaten." Die Herkules in Tripolis sei jedenfalls vollbeladen und werde auch so zurück nach Linz fliegen. Schneider betonte, das Vorkommando erfülle derzeit seine Aufgaben gemäß den Planungen. Nächste und übernächste Woche würden weitere Soldaten des Bundesheeres in den Tschad geflogen. Grüne und BZÖ forderten einen sofortigen Abbruch der Tschad-Mission.

Nachdem diese Stimmen aus der Opposition laut geworden sind, stellt Generalleutnant Christian Segur-Cabanac, Leiter des Führungsstabes im Verteidigungsministerium, in einer Aussendung klar: "Die österreichischen Soldaten im Einsatzraum sind wohlauf, es liegen derzeit auch keine Berichte oder Anzeichen über feindselige Handlungen der Rebellengruppierungen gegenüber der EUFOR vor."

UNHCR bringt Mitarbeiter in Sicherheit
Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) brachte wegen des neuen Ausbruchs der Gewalt die meisten seiner Mitarbeiter aus dem Einsatzgebiet im Osten des Tschad in Sicherheit. Nach Angaben örtlicher Mitarbeiter hat es in den vergangenen Tagen mehrere Angriffe auf das Gelände der Organisation gegeben. Das UNHCR kümmert sich um rund 170.000 Menschen, die aus der westsudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur in den Tschad gekommen sind.

"Die Behörden verfügen nicht mehr über die nötigen Mittel, uns zu beschützen", sagte der Leiter des örtlichen UNHCR-Büros, Jorge Holly. Den Angaben zufolge waren in den vergangenen Tagen auch fünf UNHCR-Fahrzeuge in Guereda nahe der Grenze zum Sudan mit vorgehaltenen Waffen geraubt worden.

Schutz von Flüchtlingen und Unterstützung für UNO
Eine EUFOR-Friedenstruppe mit österreichischer Beteiligung soll in dem zentralafrikanischen Land Flüchtlinge schützen sowie der UNO und den Hilfsorganisationen die Arbeit erleichtern. Zum Vorauskommando gehören laut einem EUFOR-Offizier rund fünfzig Soldaten in N'Djamena und weitere fünfzig in Abeche im Osten des Landes, wo die Kommandozentrale der Friedenstruppe eingerichtet werden soll. Sie bereiten die Ankunft der insgesamt rund 3.700 erwarteten EUFOR-Soldaten vor.

Sudanesische Rebellen hätten sich N'Djamena genähert. Die tschadische Armee sei mittlerweile in Stellung gegangen um die Stadt zu verteidigen, hieß es aus tschadischen Regierungskreisen. Die französische Schule in N'Djamena wurde bereits geschlossen und die amerikanische Botschaft rief dazu auf, Reisen in den Osttschad zu vermeiden. Laut Militärquellen verfügen die nahenden Rebellentruppen über 300 Fahrzeuge, die jeweils bis zu 15 Mann fassen könnten. "Wir werden in den nächsten Stunden in N'Djamena sein", kündigte ein Rebellensprecher über Satellitentelefon an. Die Rebellen sollen dem tschadischen Staatschef Idriss Deby ein Ultimatum zu Verhandlungen über eine Machtteilung gestellt haben. Sollte es nicht zu Gesprächen kommen, gebe es Krieg, kündigte ihr Anführer Timan Erdimi an. (APA/red)

1.2.2008 20:23