Mittwoch, 30. Jänner 2008

Kritik an Portugals Beitrag zu Guantanamo: 728 Häftlinge über Staatsgebiet eingeflogen

  • Reprieve äußert scharfe Kritik an Portugals Politik
  • Generalstaatsanwalt hat Ermitttlungen eingeleitet

Portugal soll die USA maßgeblich dabei unterstützt haben, Terrorverdächtige in das umstrittene Gefangenenlager Guantanamo zu bringen. Fast alle Insassen des Lagers in dem US-Militärstützpunkt auf Kuba sollen durch das Staatsgebiet oder den Luftraum Portugals geflogen worden sein. Diese Informationen hat die britische Menschenrechtsorganisation Reprieve an die Öffentlichkeit gebracht.

Den Angaben zufolge handelt es sich um 728 der insgesamt 774 Gefangenen, die in Guantanamo registriert wurden. Die Aufstellung gehe aus Flugprotokollen der portugiesischen Behörden hervor, die mit Informationen aus dem US-Verteidigungsministerium über die Ankunft der Gefangenen abgeglichen worden seien. Eine erhebliche Zahl der Gefangenen sei während der Haft gefoltert worden, bevor sie über Portugal nach Guantanamo gelangt seien.

"Die portugiesische Regierung muss ernsthaft in sich gehen", erklärte der für Rechtsfragen zuständige Reprieve-Direktor Clive Stafford-Smith. "Ohne eine Komplizenschaft Portugals hätte keiner dieser Gefangenen nach Guantanamo kommen können und wäre bis zu sechs Jahre lang Misshandlungen ausgesetzt gewesen." Die Regierung in Lissabon wies die Anschuldigungen zurück.

Der portugiesische Generalstaatsanwalt hatte vergangenes Jahr Ermittlungen zu dem Sachverhalt eingeleitet. Ein portugiesische Mitglied im Europa-Parlament hatte erklärt, mehrere entführte Verdächtige seien über Zwischenstopps auf portugiesischen Flughäfen nach Guantanamo gebracht worden.

(apa/red)

30.1.2008 10:02