Montag, 28. Jänner 2008

Verlust für griechisch-orthodoxe Kirche:
Erzbischof Christodoulos erlag dem Krebs

  • Der Kirchenvertreter wurde oft als zu liberal kritisiert
  • Stärkte die Rolle der orthodoxen Kirche in der Welt

Das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Christodoulos, ist im Alter von 69 Jahren an Krebs gestorben. Das berichtete der griechische staatliche Rundfunksender NET. Eine dreitägige Staatstrauer wurde ausgerufen und die Fahnen auf öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt.

Die Glocken aller Kirchen läuteten als Zeichen der Trauer. Ministerpräsident Kostas Karamanlis würdigte den Verstorbenen als einen "erleuchteten" Geistlichen, der in seiner zehnjährigen Amtszeit "die Rolle der Orthodoxie in der Welt" gestärkt habe.

Gescheiterte Lebertransplantation
Der höchste Geistliche der griechischen Kirche litt an Leber- und Darmkrebs. Eine Lebertransplantation in den USA war vergangenes Jahr gescheitert. Der Erzbischof hatte eine Behandlung im Krankenhaus in seinen letzten Lebenswochen abgelehnt und erlag seinem Krebsleiden an seinem Athener Amtssitz.

Die Bischofssynode, das höchste Gremium der orthodoxen Kirche Griechenlands, wird über den Tag der Trauerfeier und der Beerdigung entscheiden. Christodoulos soll in Athen beerdigt werden, Gläubige können dem Verstorbenen drei Tage lang in der Kathedrale von Athen die letzte Ehre erweisen. Binnen 20 Tagen wird die Synode einen neuen Erzbischof wählen.

Verbesserte Beziehungen zum Vatikan
Erzbischof Christodoulos wurde am 17. Jänner 1939 als Christos Papaskevaides in der nordgriechischen Kleinstadt Xanthi geboren. Am 29. April 1998 wählte die Synode ihn zum Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. Als solches sorgte er in den seit Jahrhunderten belasteten Beziehungen zum Vatikan für Entspannung: Trotz wütender Proteste orthodoxer Hardliner empfing Christodoulos Papst Johannes Paul II. im Jahr 2001 in Athen.

Papstbesuch
Es war der erste Besuch eines Oberhauptes der katholischen Kirche seit der Trennung (Großes Schisma) der beiden Kirchen im Jahr 1054. 2006 machte Christodoulos seinerseits einen historischen Besuch in Rom, bei dem er und Papst Benedikt XVI. eine gemeinsame Erklärung für einen Dialog ihrer Kirchen unterzeichneten und ihre Ablehnung von Abtreibung und Sterbehilfe bekräftigten.

Gegen Trennung von Staat und Kirche
Seine Amtszeit wurde jedoch von Streitigkeiten mit den griechischen Regierungen und einigen Skandalen überschattet. Christodoulos widersetzte sich der Trennung von Staat und Kirche in Griechenland. Im Jahre 2000 organisierte er Großdemonstrationen gegen die Abschaffung des Religionsvermerks aus griechischen Ausweisen. Die Kirche sammelte damals drei Millionen Protest-Unterschriften, zudem demonstrierten in Athen mehr als 300.000 Menschen. Die griechische Verfassung erkennt den orthodoxen Glauben zwar als "herrschende Religion" an; der Vermerk in den griechischen Ausweisen wurde dennoch abgeschafft.

Nationalistische Äußerungen
Mit nationalistischen Äußerungen brachte das kirchliche Oberhaupt von 97 Prozent der Griechen wiederholt die griechische Regierung in Verlegenheit. Im Jahre 2005 bezeichnete er die Türken als "Barbaren", die nichts in der EU zu suchen hätten. Das Athener Außenministerium sah sich zur offiziellen Erklärung gezwungen, Griechenland unterstütze die von der Türkei angestrebte EU-Mitgliedschaft. Christodoulos erreichte in Umfragen dennoch Zustimmungswerte von 75 Prozent. (apa/red)

28.1.2008 13:14