Nach schweren Unruhen mit neun Toten:
Die libanesische Armee zieh in Beirut auf
- Truppen richteten Kontrollpunkte in der Stadt ein

·Anschlag im Libanon: Terror-Ermittler tot
Explosion ereignet sich in Christen-Viertel Beiruts
·CHRONOLOGIE: Zerrissener Libanon
Austragungsort von Stellvertreterkriegen
Nach den schweren Ausschreitungen im Libanon mit neun Toten ist die Armee in Beirut aufgezogen. Die Truppen richteten Kontrollpunkte ein und überwachten vor allem die Zugänge zu den schiitischen Vierteln im Süden der libanesischen Hauptstadt. Die Proteste, die von jugendlichen Anhängern der schiitischen und pro-syrischen Bewegungen Amal und Hisbollah ausgingen, hatten sich gegen die häufigen Stromabschaltungen in den eher ärmeren Schiiten-Vierteln gerichtet.
Bei den Zusammenstößen waren außerdem 49 Menschen verletzt worden. Die Proteste eskalierten, nachdem Jugendliche aus dem Schiiten-Viertel Mar Michial in das benachbarte Christen-Viertel Ain Rumneh vorgedrungen waren und dort Autos in Brand gesetzt sowie Steine und Handgranaten geworfen hatten. Die Sicherheitskräfte schritten ein und gaben Warnschüsse ab. Die tödlichen Schüsse auf Demonstranten seien jedoch "von bisher unbekannter Seite" abgefeuert worden, erklärte das Militär.
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora erklärte den Tag zum Trauertag. Schulen und Universitäten blieben geschlossen, um ein neuerliches Aufflammen der Unruhen zu verhindern. Anti-syrische Politiker äußerten sich besorgt, dass die von Syrien und dem Iran unterstützte Opposition versuchen könnte, derartige Aktionen als Vorwand zu nutzen, um die pro-westliche Regierung von Siniora zu Fall zu bringen.
Politisch steckt das Land seit mehr als einem Jahr in der Krise, weil sich pro- und anti-syrische Kräfte nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen können. So können sich beide Seiten seit Monaten nicht auf einen Nachfolger für Präsident Émile Lahoud verständigen, dessen Amtszeit im November abgelaufen ist.
(apa/red)
