Freitag, 1. Februar 2008

Waldschäden nach Sturm "Paula" enorm: Erste Bilanzen aus Kärnten und Steiermark

  • Zwei Todesopfer bei Aufräumarbeiten zu beklagen
  • BILDER: Sturm teils stärker als Orkan "Kyrill" 2007

"Die Sturmkatastrophe sprengt alle Grenzen und stürzt die Forstwirtschaft in die Krise", lautet das Resümee der steirischen Landwirtschaftskammer bei einer ersten Schadensbilanz nach dem Orkan "Paula". In Summe wurden vier Mio. Festmeter Holz zerstört, was einer Gesamtfläche von 14.000 Hektar entspricht. Die unmittelbare Schadenssumme beträgt über 91 Mio. Euro. In Kärnten hat der Sturm einen Schaden von rund 36 Mio. Euro angerichtet.

Noch größer sei der mittelbare Schaden, der auch die Kosten für die Wiederaufforstung und den Einnahmeentfall beinhalte. Laut Kammer beträgt er 280 Mio. Euro. "Die Existenzen vieler Waldbesitzer sind bedroht", meinte Vizepräsident Hans Resch und forderte bei einem Lokalaugenschein in Rein bei Graz rasche und unbürokratische Hilfe. In der Steiermark seien rund 1.000 Waldbesitzer betroffen.

Die Landwirtschaftskammer richtete einen Krisenstab ein. Die betroffenen Regionen müssten als Katastrophenschutzgebiete ausgerufen werden, forderte Resch. Es herrsche Gefahr in Verzug, weil durch mögliche unvorhergesehene Wettereinbrüche zusätzlich Bevölkerung und Infrastruktur bedroht wären. Für den Bezirk Graz-Umgebung wurde bereits in zahlreichen Gemeinden ein Betretungsverbot für Waldgebiete ausgesprochen.

Schäden in Kärnten
In den Wäldern wurden etwa 1,5 Mio. Festmeter Holz niedergewalzt, am stärksten betroffen ist der Bezirk St. Veit an der Glan, wo derzeit Holz im Wert von 16 Mio. Euro am Boden liegt. Zuvor war noch die Rede von einem Gesamtschaden von rund 50 Mio. Euro gewesen.

Die nach St. Veit am stärksten betroffene Bezirke sind Spittal an der Drau und Wolfsberg, wo Holz im Wert von je sechs Mio. Euro am Boden liegt und Gebäudeschäden in der Höhe von etwa 100.000 Euro entstanden. In Feldkirchen beträgt der Schadenswert vier bis fünf Mio. Euro, im Bezirk Villach-Land 1,4 Millionen, in Hermagor eine Million und in Völkermarkt etwa 350.000 Euro. In der kaum betroffenen Landeshauptstadt Klagenfurt entstand ein Schaden von 30.000 Euro.

Ein Blackhawk-Hubschrauber des Bundesheeres wird bei den Aufräumarbeiten helfen, kündigte Katastrophenschutzreferent und Landeshauptmann Jörg Haider (B). In den engen Seitentälern und Schluchten Oberkärntens besteht nach wie vor die Gefahr von Verklausungen, die bei Schlechtwetter Überschwemmungen zur Folge haben könnten. Hilfskräfte des Bundesheeres starteten kürzlich mit den Aufräumarbeiten im so genannten Mühldorfer Graben.

Katastrophenfonds-Mittel des Finanzministeriums würden in drei Tranchen zu je 2,4 Mio. Euro nach Kärnten fließen, meinte der Landeshauptmann. Um einen zu starken Verfall des Holzpreises zu verhindern, würden etwa 15 "Nassholzlager" in Kärnten eingerichtet werden. Dort könne Holz längere Zeit zwischengelagert werden und müsse nicht sofort am Markt verkauft werden.

In den betroffenen Bezirken werden Informationsveranstaltungen für die Geschädigten abgehalten. "Die Koordinationen laufen", sagte Haider. Die meisten nach dem Sturm gesperrten Straßen in Kärnten sind inzwischen wieder frei befahrbar, die landesweite Stromversorgung ist bereits wieder hergestellt.

Todesopfer bei Aufräumarbeiten
Die Aufräumarbeiten haben in der Obersteiermark bereits zwei Todesopfer gefordert: Ein 76-Jähriger hat in Mitterdorf einen Genickbruch erlitten, als ihn ein Baumstamm traf. Bereits früher war ein 44-jähriger Obersteirer von einem Wurzelstock erdrückt worden. Außerdem sind vier weitere Personen bei der Beseitigung der Sturmschäden schwer verletzt worden. Unterdessen sind noch immer rund 100 Haushalte ohne Strom, sie werden großteils mittels Notstromaggregate versorgt.

Schäden auch in Niederösterreich
In Niederösterreich sind rund 260.000 Festmeter Holz dem Sturm zum Opfer gefallen. 70 Prozent der geschädigten Bäume habe es zur Gänze entwurzelt. (APA/red)

1.2.2008 13:36