Mittwoch, 23. Jänner 2008

Reise-Trends: Die Schere zwischen Luxus-Urlaube und Billigangeboten wird weiter

  • Die Reichen sind "jung und vermögend, aber normal"
  • Aber auch Billig-Hotels müssen Standards einhalten

Der internationale Hotelmarkt entwickelt sich immer stärker in die Extreme: Privatbutler, der eigene kleine Swimming-Pool, und dem Gast wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen - die Welt der Luxushotels boomt in Europa, Amerika und Asien. Auf der anderen Seite expandieren immer mehr Billigketten, die den preisbewussten Kunden für wenig Geld nur das Minimum an Komfort und Service geben.

Über die Entwicklung der Hotelbranche und ihre Megatrends haben rund 370 Hoteliers auf dem ersten Hotelkongress der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ) am Dienstag in Frankfurt diskutiert. "Die Schere geht immer weiter auseinander", sagte der Vize-Präsident der Hotelkooperation Leading Hotels of the World, Welf Ebeling.

Weltweit gebe es inzwischen mehrere Millionen Millionäre und rund 1.000 Milliardäre. Viele dieser Menschen hätten ihr Vermögen erst innerhalb der vergangenen zehn Jahre erworben. Diese neuen Reichen seien "jung und vermögend, aber ansonsten normal".

"Erlebnis" statt "Luxus"
Bei der Luxus-Kundschaft sei der Begriff Luxus daher verpönt: "Sie hassen das Wort 'Luxus'". Vielmehr gehe es um sehr individuelle Angebote statt einer Produktion von der Stange. "Luxus ist nicht die Zahl der Sterne, sondern das Erlebnis des Kunden", sagte Ebeling. Der Kunde wolle etwas über die Welt oder sich selbst lernen. Davon könnten bekannte Hotels mit Tradition profitieren. Ein Angebot müsse "authentisch, individuell und nachhaltig sein".

Zeit ist kostbar
Zum Angebot zähle da etwa auch der Flug mit dem Privatjet - wobei dann für die dadurch erzeugte Luftverschmutzung zusätzlich eine Kompensation gezahlt werde. "Der größte Luxus dieser Kunden ist Zeit." Die Preise müssten aber angemessen sein. Eine überhöhte Telefongebühr im Hotelzimmer könne sich kein Anbieter leisten - dies würde die Kundschaft verprellen. "Die anspruchsvollen Reichen können mit Geld umgehen", so Ebeling.

Billiger als der Nachbar buchen
Auf der anderen Seite der Extreme steht die zunehmende Zahl an Billigketten wie etwa Ibis, Etap oder Formule 1. Zum einen müssten immer mehr Geschäftsreisende sparen, sagte der Deutschland-Chef der Budget-Kette B&B Hotels, Mark Thompson. Aber auch Privatreisende suchten oft besonders preiswerte Angebote. "Die wollen einfach billiger als ihr Nachbar buchen."

Marke ist der Schlüssel
Selbst im Niedrigpreis-Segment müssten bestimmte Standards wie schalldichte Fenster oder ein Bad mit Dusche eingehalten werden. Auch dürften diese Kunden nicht mit zusätzlichen Kosten wie einem gebührenpflichtigem Parkplatz belastet werden. "Die Marke ist der Schlüssel", sagte Thompson. Er geht davon aus, dass Billigketten zunehmend Kundschaft gewinnen, vor allem jene, die bisher im mittleren Preissegment gebucht haben. Finanzinvestoren würden dies honorieren - frei nach dem Motto: "Je weniger Sterne, desto höher die Rendite."

"Die Wachstumsbereiche liegen in den Extremen", so der Mitorganisator der Tagung, Peter Schneider, die Referenten zusammen. Für das mittlere Hotelsegment sei es dagegen schwierig, zumal viele der familiengeführten kleineren Hotels Probleme mit der Nachfolge hätten. (dpa/Rochus Görgen)

23.1.2008 11:51