Montag, 28. Jänner 2008

FORMAT über Tech-Doktoren im Einsatz:
Digitaler Workflow einer E-Health-Strategie

  • Elektronische Patientenakte soll als Grundlage dienen
  • Vernetzung aller Gesundheitsdienste langfristiges Ziel

In den USA sterben täglich so viele Menschen an vermeidbaren medizinischen Fehlern, wie in einem Jumbojet Platz finden, hat IBM herausgefunden. Auf die industrialisierte Welt umgelegt, ergäbe das eine ganze Serie tragischer Flugzeugabstürze - jeden Tag. Eine der häufigsten Ursachen: Fehlende Informationen über den Patienten. Nicht, dass sie nicht vorhanden wären. Sie sind nur nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Eine Vernetzung der Gesundheitsdienste-Anbieter durch konsequenten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) soll nun Abhilfe schaffen. Und Qualität, Sicherheit und durchgängige Prozesse sichern.

Dazu gibt es im In- und Ausland schon viele bemerkenswerte Ansätze. Aber eine nationale oder gar staatenübergreifende Vernetzung steht noch aus.

Der E-Health-Aktionsplan der EU existiert zwar schon seit 2004 - auf Basis dieser Vorgabe wurde unter Federführung des Gesundheitsministeriums und der ARGE Datenverarbeitung Anfang 2007 eine Empfehlung für eine österreichische E-Health-Strategie präsentiert, Hans Aubauer, Senior Manager Government/Healthcare bei Accenture, saß im Expertengremium: "Jetzt gilt es, die vielversprechenden regionalen Vernetzungsprojekte in die nationale Strategie einzubinden. Es muss sichergestellt werden, dass sie in Sachen Standards kompatibel sind."

ELGA im Mittelpunkt
Wesentlicher Baustein ist die Elektronische Gesundheitsakte, kurz ELGA. Derzeit ist das Projekt in der Detailplanung. Die Ergebnisse sollen der Bundesgesundheitsagentur im Frühjahr vorgestellt werden. Zusätzlich wird auch eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt. Erst danach ist mit weiteren Schritten Richtung Umsetzung zu rechnen. Die Realisierung der ersten Ausbaustufe wird 2012 erwartet. Dann werden neben einem zentralen Portal, einem Patientenindex und einem Verzeichnis der Gesundheitsdienste-Anbieter auch die ELGA-Kernanwendungen zur Verfügung stehen. Diese sind: Information über die Entlassung aus dem Krankenhaus, die E-Befunde aus dem Labor und der Radiologie sowie die E-Medikation.

Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Datenschutz. Ohne Einwilligung des Patienten läuft gar nichts. "Außerdem ist der Datenschutz elektronisch besser zu gewährleisten, als wenn die Informationen in Aktenschränken herumliegen", beugt Aubauer Besorgnis vor. Der Experte bewertet die österreichischen Aktivitäten im internationalen Vergleich sehr positiv: "In Summe ist die österreichische E-Health-Landschaft pionierhaft unterwegs."

Auch die Umsetzung der E-Card sieht Aubauer als großen Erfolg - trotz immer noch zahlreicher Unkenrufe von Krankenschein-Nostalgikern: "Die Schwierigkeiten sind nur marginal. Das System funktioniert und legt auch die Basis für zukünftige Vernetzung und weiterführende Dienste."

E-Health auch bei Gesundheitsportalen
Über Gesundheitsdienste im Internet sollen den Bürgern alle möglichen Informationen zur Verfügung gestellt werden. Die "Lebensseiten", ein Gesundheitsportal für die Wiener Bürger, werden laut der Wiener E-Health-Koordinatorin Herlinde Toth noch im Lauf dieses Jahres online gehen. Auf Bundesebene ist ein Health-Portal des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger in Planung, und das Gesundheitsportal der Europäischen Union (http://ec.europa.eu/health-eu) ist bereits seit 2006 im Netz.

Die Zukunftsvision sind interaktive Portalfunktionen. Dazu Jörg Schwarz, Director Global Healthcare bei Sun: "Das Ziel heißt Health 2.0, eine patientengesteuerte Gesundheitsvorsorge anhand personalisierter Informationen, die aus Daten der Elektronischen Gesundheitsakte gespeist, aber für den Bürger verständlich aufbereitet sind."

Schwarz drängt auch auf eine gesamteuropäische Gesundheitsakte: "Ich denke an eine Art Gesundheitsroaming. Aber derzeit fehlen die rechtlichen Rahmenbedingungen. Es gibt noch nicht einmal ein europäisches Abkommen über den Austausch von Notfalldaten."

Den kompletten Beitrag können Sie im FORMAT 04/08 nachlesen!

28.1.2008 15:51