US-Wahl: So tickt Barack Obama
- Seinen Aufstieg nennt er einen heftigen Kampf
Er ist ein außerordentlicher junger Mann, der unserem Land viel zu geben hat. Ein Lob aus einem unerwarteten Eck und zum unerwarteten Zeitpunkt. Hillary Clinton sagte dies über ihren derzeit härtesten Rivalen Barack Obama, nur wenige Tage vor den Vorwahlen im Bundesstaat South Carolina.
Hier, wo mehr als die Hälfte der Wähler Afroamerikaner sind, wird am Samstag eine erste Vorentscheidung darüber fallen, wen die Demokraten im November ins Rennen um das Präsidentenamt der USA entsenden. Der letzte Gong könnte am 5. Februar ertönen: An diesem Tag stimmen 24 Bundesstaaten ab.
Vorwahlkrimi während Börsencrash. Ein wilder Wettkampf ist entbrannt zwischen der möglichen ersten Frau und dem ersten Afroamerikaner im höchsten Amt. Doch für den 46-jährigen Obama ziehen nicht nur nach den letzten beiden Vorwahl-schlappen Gewitterwolken auf. Der Börsencrash und die drohende Rezession bereiten ihm zusätzlich Probleme. Jetzt stechen die Trumpfkarten Clintons. Sie verkörpert Erfahrung und die Erinnerung an die goldenen Wirtschaftszeiten unter der Amtszeit ihres Mannes.
Dem kann Obama derzeit nur seine Version des amerikanischen Traumes entgegenhalten. Als einen heftigen inneren Kampf schildert er seinen Reifungsprozess zum Polit-Popstar in seiner Autobiografie, die jetzt auf Deutsch erscheint: Ich versuchte mich, während meiner Jugendjahre
in Hawaii, auf das Leben als selbstbewusster schwarzer Amerikaner vorzubereiten. Es war ein problematischer Weg, den Abstürze mit Alkohol und Drogen pflasterten. Offensive als beste Verteidigung: Diese banale, aber wirksame Strategie wurde zum Leitmotiv des Phänomens Obama. Doch so oder so: Die Geister der Vergangenheit holen ihn ein.
Seine wilden Jugendjahre in Hawaii, aber auch die spirituellen Wanderjahre in konservativen christlichen Kreisen machen dem 46-Jährigen heute zu schaffen. Erzrivalin Hillary Clinton etwa attackierte heftig seinen Drogenkonsum und schleuderte ihm auch die Frage entgegen, ob man so sicher sein könnte, dass er sie nur benutzt und nicht auch damit gehandelt habe.
Es war ein sehr undamenhafter Tiefschlag, der Clinton mehr schadete als Barack Obama. Nur: Es zeigte, wie verletzlich der junge Senator mit erst zwei Jahren Amtserfahrung für Schmutzkampagnen ist; vor allem als Präsidentschaftskandidat. Ist dieser Mann wählbar? Dieser Zweifel mag in allerletzter Wahlminute schlagend werden.
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