Ballack sieht sein Team nicht als Favorit:
"Sind noch nicht auf Niveau, Favorit zu sein"
- Noch gebe es Defizite bei der "individuellen Klasse"
- Teamkapitän "stolz" über sein gelungenes Comeback

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Die Mannschaften in der Gruppe von Österreich
Gut vier Monate vor Beginn der Fußall-EM in Österreich und der Schweiz hat Michael Ballack die Erwartungen gedämpft und die deutsche Nationalmannschaft, die jeweils in Wien am 6. Februar Test- und am 16. Juni EM-Gruppen-Gegner Österreichs ist, nicht als ersten Titelanwärter eingestuft. "Wir sind noch nicht auf dem Niveau, Favorit zu sein", sagte der DFB-Kapitän in einem dpa-Interview.
Noch gebe es Defizite bei der "individuellen Klasse". "2010, bei der WM in Südafrika, da hoffe ich, dass sich die Spieler entsprechend entwickelt haben, dass man mit Frankreich oder Italien auch individuell den Vergleich nicht scheuen muss", sagte der wieder genesene Ballack, der sich "stolz" über sein beeindruckendes Comeback beim FC Chelsea zeigte.
Die DFB-Auswahl hat laut Ballack seit der WM 2006 durchaus Fortschritte gemacht. "Jogi Löw hat viele Spieler herangeführt, und wir haben in der Breite zugelegt. Der Konkurrenzkampf ist da, die Mannschaft hat Selbstvertrauen. Jetzt müssen wir abwarten, wie die Form vor dem Turnier ist, wie jeder einzelne drauf ist und wie die Spieler harmonieren", sagte Ballack mit Blick auf die EURO 2008 vom 7. bis 29. Juni.
Ballack warnte davor, sich "national Honig um den Mund zu schmieren." Es sei auch wichtig zu sehen, "wie wir im Ausland eingestuft werden. Und da haben wir doch Marken hinterlassen und mit guten Spielen beeindruckt, so dass wir auch dort für die EM zum Favoritenkreis gezählt werden."
"Lehmann bester Torhüter"
Ballack sieht die Mannschaft noch nicht auf dem Niveau, um als unbestrittener Titelanwärter anzutreten. Das müsse aber das Ziel sein, forderte der Kapitän. "Wir sind nie wirklich, auch bei der WM 2002 nicht, mit dem Anspruch hingefahren zu gewinnen. 2006 war das zwar die Zielsetzung, aber realistisch betrachtet, wenn man das Niveau der Mannschaft gesehen hat, Weltmeister zu werden, das ist natürlich nochmals ein Unterschied", sagte Ballack.
In der Diskussion um die Position von Nationaltorhüter Jens Lehmann, der derzeit nur Arsenal-Reservist ist, habe auch dessen Absage an Borussia Dortmund seine Meinung nicht geändert, sagte Ballack: "Ich denke, dass Jens unsere Nummer eins ist, der mit Abstand beste Torhüter, den wir im Moment haben. Wenn er sich am Wohlsten fühlt, wenn er in London bleibt, dann muss man ihm das zugestehen. Ich weiß, dass Jens auf die EM brennt. Dafür wird er alles tun, und auch die beste Entscheidung für sich treffen."
Gelungenes Comeback bei den Blues
Dass er es bei Chelsea in wenigen Spielen vom Dauerverletzten zur festen Größe und Kapitän gebracht habe, darauf sei er "stolz", sagte Ballack, der seit seinem Comeback kurz vor Weihnachten bereits zwei Treffer erzielte. "Durch unsere vielen Verletzten bei Chelsea bin ich direkt wieder in die Verantwortung geraten, andererseits tut man sich leichter, wenn man in eine Mannschaft zurückkehrt, die keine Verletzungssorgen hat", sagte Ballack, für den die Ernennung zum zeitweiligen Kapitän nach den Ausfällen John Terry und Frank Lampard völlig überraschend kam. Über Lampards Rückkehr mache er sich keine Gedanken: "Die Konkurrenz im Mittelfeld wird groß. Ich bin aber entspannt, denn ich weiß, was ich kann. Für mich ist das Zusammenspiel mit guten Spielern kein Problem."
Die Berufung Jürgen Klinsmanns zum neuen Trainer des FC Bayern ist laut Ballack eine überraschende, aber "gute Lösung. Er ist ein Mann, der für Neuerungen steht. Er ist jemand, der sich immer mit den Besten messen will und die größtmögliche Herausforderung sucht, und die findet er in München". Sein eigener Wechsel zum FC Chelsea sei die "richtige Entscheidung" gewesen, sagte Ballack.
"Ob er seine Karriere auf der Insel beenden werde, ließ der 31-Jährige offen. "Im Moment bin ich hier vollkommen zufrieden. Ich spiele bei einem tollen Club und will hier noch viel erreichen. Was dann kommt, wenn mein Vertrag ausläuft, werden wir sehen."
(apa/red)
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