Freitag, 25. Jänner 2008

Nach Drei-Satz-Demontage in Melbourne:
Djokovic rüttelt an Federers Tennisthron

  • Federer enttäuscht: "In drei Sätzen, das ist brutal"
  • Überraschendes Endspiel Djokovic gegen Tsonga

Roger Federer hat gegen den serbischen Shooting Star Novak Djokovic eine seiner bittersten Niederlagen kassiert und erstmals seit knapp drei Jahren das Endspiel eines Grand-Slam-Turniers verpasst. Im Halbfinale der Australian Open musste sich der Weltranglistenerste und Titelverteidiger dem 20-jährigen Djokovic überraschend deutlich 5:7,3:6,6:7(5) geschlagen geben. "In drei Sätzen, das ist sehr brutal", sagte der 26-jährige Schweizer.

Die Kappe tief ins Gesicht gezogen, die Arme vor der Brust verschränkt trat Federer vor die Presse und stand Rede und Antwort. Doch dem bisher so dominanten Branchenprimus aus Basel war anzumerken, dass es in ihm arbeitete. Bisher hatte er die "jungen Wilden" wie Djokovic in den entscheidenden Matches meist in Schach halten können, aber der Serbe war an diesem Tag stärker als die Nummer 1 der Welt. "Ohne Zweifel habe ich in meinem Leben schon besser gespielt", sagte Federer nach der knapp zweieinhalbstündigen Demontage auf dem Center Court.

Am Tag zuvor hatte Außenseiter Jo-Wilfried Tsonga den Spanier Rafael Nadal glatt ausgeschaltet. Federers Niederlage fiel zwar nicht ganz so klar aus wie die des Weltranglisten-Zweiten, doch Federer war ähnlich chancenlos. "Er hat mir nicht viele Möglichkeiten gelassen", räumte der zwölffache Grand-Slam-Turniersieger ein. Seit den French Open 2005 hat Federer acht "Majors" gewonnen, zweimal verlor er im Finale von Paris gegen Nadal.

Spiel hat Roger "wehgetan"
Doch an diesem Abend analysierte er schonungslos: "Ich habe nicht so aufgeschlagen, wie ich wollte. Ich habe mich nicht gut bewegt. Ich war in der Defensive nicht so stark, wie ich es normalerweise bin. Meine Passierbälle kamen nicht an, wenn ich sie gebraucht hätte. Das hat wehgetan." Solche Sätze hört man selten vom Australian-Open-Sieger von 2004, 2006 und 2007, der seit dem Halbfinale gegen Marat Safin 2005 hier nicht verloren hatte.

Der freche Aufsteiger Djokovic dagegen zog ohne Satzverlust erstmals bei den Australian Open ins Endspiel ein, nachdem er bei den US Open im vergangenen Jahr sein erstes Grand-Slam-Finale erreicht hatte. Damals verlor er in drei Sätzen gegen Federer. "Ich bin sehr sehr stolz auf mich", sagte er unter dem Jubel einer großen Schar serbischer Fans. Einmal war ihm das bisher gelungen, im Finale des Masters-Series-Turniers in Montreal im vergangenen Jahr.

Djokovic will Nummer 1 werden
Damals hatte er angekündigt, eines Tages die Nummer 1 werden zu wollen. "Die Dominanz von Federer und Nadal war erdrückend in den letzten Jahren", sagte der Serbe vor dem Finale gegen den 22-jährigen Tsonga. "Es ist gut für unseren Sport, dass es jetzt mal andere Gesichter und einige neue aufstrebende Stars gibt." (apa/red)

25.1.2008 16:08