Shootingstar Tsonga fegt Rafael Nadal weg:
Sensationsmann siegt glatt in drei Sätzen
- Erstes Grand-Slam-Finale für Nummer 38 der Welt
- Nadal gegen 17 Asse und 49 Winner ohne Chance

In nicht einmal zwei Stunden demontierte der Franzose mit dem Spitznamen "Muhammad Ali" den Weltranglisten-Zweiten und dreifachen French-Open-Champion Nadal. Der Spanier ging nach einer seiner bittersten Pleiten grußlos in die Katakomben. Ohne Satzverlust war der Linkshänder aus Mallorca ins Halbfinale eingezogen und schien in starker Verfassung. "Ich habe sehr, sehr gut gespielt", sagte er, "aber nicht gut genug, um Tsonga zu schlagen. Die Wahrheit ist, ich hatte keine Chance."
Nadal kannte auch die Gründe für seine Chancenlosigkeit: "Tsonga hat sich unglaublich gut bewegt, war sehr explosiv. Ich kann nichts Schlechtes über sein Spiel sagen, aber ich werde darüber die ganze Nacht nachdenken." Dennoch führte er ins Treffen, dass Tsonga derzeit über seine Verhältnisse spielen würde: "Aber er kann nicht jede Woche so spielen. Das ist unmöglich."
Seinem Übernamen "Ali" machte Sieger Tsonga nicht nur wegen der offensichtlichen Ähnlichkeit mit Cassius Clay alle Ehre. Beim Stand von 2:1 im zweiten Satz stierte er Nadal beim Seitenwechsel im Stil der großen Boxer in die Augen. Schon vor dem Spiel hatte Tsonga in die Psycho-Kiste gegriffen. Als sich Nadal in der Garderobe aufwärmte, warnte er ihn: "Coco, pass auf, dass du dich nicht zu sehr verausgabst, denn heute bin ich in Form."
Durch den Einzug in das Endspiel wird Tsonga in der Weltrangliste erstmals unter die Top 20 klettern. "Das gefällt mir, euch jetzt jeden Abend zu sehen", begrüßte Tsonga nach dem Match die Reporter. Als er gefragt wurde, ob er dieses Niveau noch für ein weiteres Match halten könne, sagte er nur: "Ja", musste dann aber lachen und ergänzte: "Ich will es zumindest versuchen."
Tsonga-Tsunami
"Es ist ein Tsonga-Tsunami" hatten Fans in englischer Sprache auf ein Plakat gepinselt - und tatsächlich war der Überraschungsmann wie ein Orkan über Nadal hinweggefegt. 32 Minuten dauerte der erste Satz, 50 Minuten der zweite und 35 der dritte. Beim ersten Matchball beendete er mit einem Ass das unerwartet ungleiche Duell. "Das war so ein Match, von dem jeder träumt", meinte Tsonga.
Der 1,88 Meter große und 90 Kilogramm schwere Athlet aus Le Mans galt früh als vielversprechendes Talent, wurde aber immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Erst 2007 bewegte er sich beschwerdefrei über den Platz. "Ich wusste, dass ich unglaubliches Tennis spielen kann, aber mein Körper war noch nicht so weit", sagte Tsonga.
(apa/red)
