Mittwoch, 23. Jänner 2008

Matt hat lange auf diesen Tag gewartet:
Nach 2000 wieder ein Erfolg auf der Planai

  • Zwischen 2000 und heute lagen viele Hochs und Tiefs
  • Schladming-Sieg als einer seiner drei größten Erfolge

Ungewöhnlich emotional hat Mario Matt seinen Sieg im Schladminger Nachtslalom gefeiert. "Ich habe lange auf diesen Tag gewartet", meinte der Tiroler nach seinem zweiten Triumph auf der Planai nach 2000. In den acht Jahren zwischen diesen beiden Erfolgen hat sich bei Matt sehr viel getan. Der 29-Jährige fuhr einerseits zwei Mal zu WM-Gold (2001, 2007), wurde aber anderseits auch von einer Schulterverletzung und Materialproblemen zurückgeworfen.

Als der erste große Trubel im Schladminger Hexenkessel und der Gratulationsmarathon inklusive "Handshake" von Bundespräsident Heinz Fischer vorbei waren, sprach Matt im vom der APA - Austria Presse Agentur aufgezeichneten Interview über...

...den Stellenwert des Schladming-Sieges: Dieser Erfolg schaffte es in die Top-Drei seiner persönlichen Hitparade. Das heißt, Schladming 2008 folgt direkt auf die WM-Goldenen 2001 und 2007. "Ich habe sehr lange auf diesen Tag gewartet. Ein weiterer Sieg in Schladming war ein großes Ziel von mir", meinte Matt, bevor er sich mit seiner Freundin Andrea eine kleine Siegerparty gönnte.

...seine Nervenstärke: "Ich war überhaupt nicht nervös. Eigentlich bin ich nie nervös, das ist eine Gabe, die ich schon immer hatte", berichtete der eiskalte Slalom-Artist nach seinem Ritt vor mehr als 50.000 brüllenden Fans. Matt ist und bleibt eben ein echter Publikumsfahrer: "Viele Leute sind gut für mich, ich brauche das für meine Motivation." Was Matt aus der Fassung bringt bzw. ärgert? "Da gibt es sehr viele Situationen. Was genau, ist schwer zu sagen."

...die Atmosphäre beim Nachtslalom: "Man ist so in Trance, dass man das gar nicht so mitkriegt", beschrieb Matt, der zwischen den Durchgängen eine Suppe und Nudeln speiste. Vor einem Jahr war das in Schladming jedoch noch anders gewesen, als er eine Halbzeit-Führung vergab und Dritter wurde. "Da war der Kurs langsamer, da ich habe die Rufe der Fans wahrgenommen und den Rauch der bengalischen Feuer aufsteigen sehen."

...seinen Siegerski: Matt setzte nicht auf den neuen Lochski seines Ausstatters, sondern auf den Siegerski von Adelboden. "Weil die Verhältnisse ähnlich wie in Adelboden waren und ich volles Vertrauen in diesen Ski habe. Welchen Ski ich benütze, ist alleine meine Entscheidung." Das Material ist auch der Schlüssel zum Erfolg: "Das gesamte Paket passt derzeit zusammen: Form, Material, Abstimmung."

...seine schwere Schulterverletzung: "Die hat mir zwei Jahre gekostet, in denen ich vielleicht das eine oder andere Rennen gewonnen hätte. Aber ich habe gewusst, dass ich das Skifahren nicht verlernt habe. Und ich habe gewusst, dass ich, wenn das Material passt, sehr schnell sein kann." Die 2002 passierte Verletzung habe ihm menschlich einiges gebracht. "Ich habe gesehen, dass es nicht nur Skifahren gibt", meinte Matt, der in dieser Phase sein größtes Hobby, die Pferdezucht, intensivierte.

...seine Vorbilder: Wenn überhaupt, dann war Alberto Tomba Matts Vorbild. Den breiten Fahrstil hat sich der Flirscher vom Norweger Ole-Christian Furuseth ein wenig abgeschaut.

...das Thema Gesamt-Weltcup: "Da muss man schauen wie es sich entwickelt", meinte Matt zum möglichen Fernziel Große Kristallkugel. In den Speed-Disziplinen sieht Matt noch "sehr viel Potenzial", im Riesentorlauf will er "konstanter" werden. Über seine Klasse im Slalom braucht man ja nicht zu diskutieren.

...die kommende Weltcup-Station Chamonix: Die ÖSV-Athleten hoben bereits mit einem Charterflieger Richtung Frankreich ab. Matt will so wie Raich Abfahrt (Samstag) und Super-Kombi (Sonntag) bestreiten. In Chamonix hatte Matt 2006 im Abfahrtstraining seinen bis dato schwersten Sturz hingelegt, kam jedoch glimpflich davon.

...das Karriereende: Momentan denkt Matt noch keine Sekunde ans Aufhören. Triebfeder ist vor allem Olympia 2010 in Vancouver. "Bis dahin fahre ich auf jeden Fall weiter." Olympia-Gold fehlt Matt ja noch in der Sammlung, 2002 (Salt Lake City) hatte Matt seine Schulterverletzung außer Gefecht gesetzt, 2006 (Turin) plagten ihn Probleme mit dem Material.
(apa/red)

23.1.2008 10:35