Freitag, 25. Jänner 2008

Wenn Hautfarbe ein Wahlkampfthema wird:
Afroamerikaner sind Obamas große Chance

  • Schwarze müssen den Sieg in South Carolina sichern
  • Altes Reizthema wird sich nicht ausblenden lassen

Wirklich verheilt sind die schmerzhaften Wunden von Sklaverei und Rassentrennung im tiefen Süden der USA nie. Ausgerechnet im alten Sklavenhalterstaat South Carolina entscheidet sich die politische Zukunft von Barack Obama. Der Senator braucht bei der Vorwahl nach seinen jüngsten Niederlagen gegen Hillary Clinton dringend einen Sieg, um den Traum vom ersten schwarzen US-Präsidenten glaubhaft aufrechtzuerhalten.

Angewiesen ist er in South Carolina auf die Stimmen der Afroamerikaner, die hier etwa die Hälfte der Parteianhänger stellen. Eigentlich war Obama angetreten, um die Gräben zwischen Schwarz und Weiß zu überbrücken. Doch das alte Reizthema lässt sich im Wahlkampf nicht ausblenden.

Obama braucht Mehrheit in South Carolina
Eine weitere Niederlage kann sich Obama nicht erlauben. "Er muss in South Carolina die große Mehrheit der afroamerikanischen Stimmen gewinnen", sagt Politikprofessor Larry Sabato von der Universität Virginia. "Allerdings fragen sich gerade viele Afroamerikaner, ob er überhaupt Chancen auf einen Sieg hat." Tief sitzt das Misstrauen in South Carolina, dass das weiße Washingtoner Establishment den Weg Obamas zur Macht sabotieren könnte. Schon machen böse Vorwürfe die Runde, die zunehmende Kritik des Clinton-Lagers an Obama spiele mit unterschwelligen rassistischen Klischees.

Washington nicht reif für "schwarzen Mann"?
"Obama würde in der Präsidentschaftswahl schmelzen wie ein Schneeball im Fegefeuer", prophezeit der schwarze Lehrer Anthony Boyd nach einem Auftritt Obamas in der Hafenstadt Charleston, deren jahrhundertealten Prachtbauten die Erinnerung an den verschwenderischen Reichtum der Sklavenhalter wachhalten. "Ein schwarzer Mann im Weißen Haus?", wirft die Studentin Martene Smith ein - und gibt gleich selbst die Antwort: "Ich glaube nicht, dass Washington dafür reif ist." Deswegen will sie möglicherweise für Hillary Clinton stimmen, deren Mann Bill als Präsident enorm populär bei den Afroamerikanern war.

Politiker neuen Typs
Ohne das Problem beim Namen zu nennen, ist Obamas Wahlkampfmotto auf eben jene Zweifel zugeschnitten: "Yes, we can!", feuert er das mehrheitlich farbige Publikum in Charleston an - "Ja, wir können es! " Obama ist erst 46 Jahre alt, aufgewachsen ist er im toleranten Hawaii, er ist Sohn einer weißen Mutter. Die bittere Rassentrennung in den Südstaaten hat er nicht am eigenen Leib erlitten. Mit Verweis auf seine Biografie präsentiert er sich als Politiker neuen Typs: Kein Klientelpolitiker für die benachteiligte Minderheit will Obama sein, sondern ein Fürsprecher der gesellschaftlichen Mitte - also gerade auch der Weißen.

Reizthema Hautfarbe
"Obamas Vision ist es, die Unterschiede von Rasse und Klasse aufzuheben und eine Koalition des Wandels zu schmieden", sagt Ron Walters, der an der Universität Maryland afroamerikanische Kultur erforscht. Das verspreche aber wenig Erfolg, mutmaßt Walters, Hautfarbe sei in den USA immer noch ein Faktor. Die Zahlen des US-Statistikamts belegen große Unterschiede. Im Jahr 2006 lag etwa das jährliche mittlere Haushaltseinkommen einer weißen Familie bei 50.600 Dollar (34.509 Euro), Schwarze kamen nur auf 32.000 Dollar. Acht Prozent der Weißen lebten unter der Armutsgrenze, aber fast 25 Prozent der Schwarzen.

Gräben zwischen Schwarz und Weiß
Ausgerechnet der Grenzgänger Obama muss derzeit erleben, dass auch die politischen Gräben zwischen Schwarz und Weiß tiefer sind als ihm lieb ist: In Nevada verlor er die letzte Vorwahl gegen Hillary Clinton auch deswegen, weil sich die Stimmen nach Hautfarbe aufsplitteten: Die weiße Mehrheit wählte Clinton, die Farbigen stimmten für Obama. Ähnliches zeichnet sich in South Carolina ab: In Umfragen liegt Clinton bei Weißen mit 40 zu 20 Prozent vor Obama, der Clinton allerdings vor wenigen Wochen in der Gunst der Farbigen überholte und deshalb trotzdem gute Chancen auf einen Sieg hat.
(apa/red)

25.1.2008 10:27