"Die Sozialdemokratie ist wieder da": SPD erringt bei hessischer Landtagswahl Sieg!
- CDU-Rechtsaußen Koch erlitt historische Niederlage
- Keine klaren Mehrheiten: Rot-Grün-Rot oder Ampel?

·Wahlsiegerin aus einer Arbeiterfamilie
Andrea Ypsilanti gewinnt Woche für Woche Profil
·Ypsilanti wäre erst zweite 'Landesmutter'
Bisher Simonis einzige Ministerpräsidentin
·Der lange Marsch der Linken in den Westen
Partei erstmals in West-Flächenstaat erfolgreich
·Spitzenkandidaten der Wahl in Hessen
KLICKEN: Von Koch bis Ypsilanti und Al-Wazir
·Stichwort Hessen:
"Wirtschaftsfestung"
Größte Stadt ist Banken-
metropole Frankfurt
·Spitzenkandidaten
in Niedersachsen
KLICKEN: Von Wulff bis Jüttner und Helmhold
·Niedersachsen als Verkehrsknotenpunkt
Stichwort: Landwirtschaft
der prägendste Faktor
·Wahlrecht in Hessen und Niedersachsen
Was wählt man mit der Erst- und Zweitstimme?
Die CDU von Ministerpräsident Roland Koch ist nach hohen Verlusten bei der Landtagswahl in Hessen knapp stärkste Partei geblieben. Laut Endergebnis büßte sie 12 Prozentpunkte ein und kam auf 36,8 Prozent. Wer jetzt in Hessen die Regierung bilden kann, ist völlig unklar.
Dagegen gewann die CDU die gleichzeitigen Wahlen in Niedersachsen klar und kann dort unter Ministerpräsident Christian Wulff in der bisherigen Koalition mit der FDP weiterregieren. In beiden Bundesländern schaffte die von den ostdeutschen Postkommunisten und westdeutschen Linken gegründete Partei Die Linke erstmals den Einzug in den Landtag.
Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis liegt die CDU in Hessen um 0,1 Prozentpunkte vor der SPD, die auf 36,7 Prozent kam und sich gegenüber 2003 um 7,6 Prozentpunkte verbesserte. Es ist das schlechteste Ergebnis der CDU seit 1966, aber auch die zweitschlechteste Prozentzahl der SPD in der hessischen Geschichte.
Die FDP belegte in Hessen den dritten Platz mit 9,4 Prozent (+1,5), die Grünen kamen auf 7,5 Prozent (-2,6) und Die Linke auf 5,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,3 Prozent. Damit erhalten SPD und CDU je 42 Sitze, die FDP 11, die Grünen 9 und die Linke 6 Mandate. Für eine absolute Mehrheit sind 56 Mandate erforderlich.
Keine traditionelle Koalition in Hessen möglich
Von den herkömmlichen Allianzen haben in Hessen wegen des Einzugs der Linken in den Landtag weder CDU und FDP noch SPD und Grüne eine Mehrheit. Die SPD lehnt eine Zusammenarbeit mit der Linken kategorisch ab. Sie will die FDP für eine sogenannte Ampelkoalition (SPD-FDP-Grüne) gewinnen.
In Niedersachsen musste die CDU ebenfalls Federn lassen, blieb aber mit 42,5 Prozent der Stimmen (-5,8 Prozent) weit vorne. Die SPD verlor ebenfalls um kam auf 30,3 Prozent (- 3,1). Die FDP erzielte 8,2 Prozent (+ 0,1), die Grünen 8,0 Prozent (+ 0,4) und die Linke 7,1 Prozent (+ 6,6). Die Wahlbeteiligung lag bei nur 57 Prozent. Die CDU erreichte 68 Sitze, die SPD 48, die FDP 13, Grüne 12 und die Linke 11 Mandate.
Ypsilanti wertete den Erfolg ihrer Partei in Hessen als beispielhaft. "Die Sozialdemokratie ist wieder da", sagte sie in Wiesbaden. Die SPD habe im hessischen Wahlkampf die richtigen Themen gesetzt und mehr soziale Gerechtigkeit gefordert.
Die Linke erklärte sich bereit, Ypsilanti zur Ministerpräsidentin zu wählen. Diese schloss aber ein rechnerisch mögliches Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linke aus. "Es gibt keine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der Linken", sagte sie. Sie sehe auch keine Möglichkeit, mit der CDU eine Koalition zu schließen. Ypsilanti appellierte stattdessen an die FDP, sich nicht länger gegen eine "Ampelkoalition" (Rot-Gelb-Grün) mit SPD und Grünen zu sperren.
Koch führte eine "Diffamierungskampagne" gegen seine Person im Wahlkampf als einen der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden der CDU an. Er räumte am Sonntagabend in Wiesbaden ein, dass das Ergebnis der Landtagswahl für seine Partei und auch für ihn persönlich "nicht einfach" sei. Man werde "sorgfältig" über die Konsequenzen nachdenken. "Das Bundesland Hessen ist ein knappes Land", sagte er weiter.
Insgesamt waren 10,5 Millionen Wähler aufgerufen, über die Zusammensetzung der beiden Regionalparlamente zu entscheiden. Während der Wahlkampf in Niedersachsen recht still verlief, sorgte die von Hessens Ministerpräsident Roland Koch entfachte Debatte über Jugendgewalt für heftige Debatten in Deutschland.
(apa/red)
