Freitag, 25. Jänner 2008

Bombenanschlag in Beirut: Ranghoher libanesischer Terror-Ermittler Eid gestorben

  • Drei weitere Menschen bei Explosion verunglückt
  • PLUS: Seit Februar 2005 Reihe politischer Anschläge

Die Reihe der Mordanschläge gegen führende Persönlichkeiten des Libanon reißt nicht ab. In Hasmiyeh wurde einem vorwiegend von Christen bewohnten Ort nahe der Hauptstadt Beirut, der hochrangige Geheimdienstoffizier Wissam Eid bei einem Bombenanschlag getötet. Drei weitere Menschen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes mit in den Tod gerissen, 36 weitere wurden verletzt. Der 31-Jährige arbeitete für den Inlandsgeheimdienst FSI an der Aufklärung mehrerer Anschläge im Libanon. Dort wurden seit Februar 2005 Dutzende Menschen bei Attentaten getötet, viele davon waren anti-syrisch eingestellt.

"Hauptmann Wissam Eid, ein hochrangiger Vertreter des Inlandsgeheimdienstes und sein Leibwächter wurden durch die Explosion getötet", sagte ein FSI-Mitarbeiter. Die Sprengkraft der Bombe sei mindestens 50 Kilogramm gewesen. Die Explosion auf der belebten Straße in dem christlichen Viertel im Osten Beiruts riss nach Angaben eines AFP-Korrespondenten einen Krater von fünf Metern Durchmesser in die Straßendecke. Leichenteile und verkohlte Tote lagen herum. "Es war wie ein Erdbeben", sagte eine Angestellte, die in der Nähe arbeitet. Menschen liefen in Panik umher, die meisten auf der Suche nach Angehörigen.

Terror-Ermittler
Eid ermittelte nach Angaben aus Sicherheitskreisen zu mehreren Anschlägen, die in den vergangenen Jahren im Libanon verübt wurden. Er hatte auch der internationalen Kommission zur Untersuchung des tödlichen Attentats auf den früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Februar 2005 Informationen übermittelt, wie ein früheres Mitglied der Kommission mitteilte. Schon im Februar 2006 war eine Granate auf die Wohnung des Geheimdienstoffiziers in Beirut geworfen worden.

"Dieser Anschlag wird uns nicht daran hindern, unsern Auftrag weiter zu erfüllen, das Land zu schützen und die Sicherheit zu gewährleisten", sagte Inlandsgeheimdienstchef Achraf Rifi. Das Attentat sei "eine Botschaft an den FSI, nachdem zuvor mit der Ermordung des Generals Francois al-Hajj eine Botschaft an die Armee gerichtet worden war", sagte Rifi. Hajj war im Dezember bei einem Anschlag getötet worden. Seit der Ermordung des anti-syrisch eingestellten Ex-Regierungschefs Hariri vor knapp drei Jahren fielen auch anti-syrische Abgeordnete und Journalisten Attentaten zum Opfer.

Land ohne Führung
Die pro-westliche Parlamentsmehrheit schrumpfte dadurch erheblich zusammen; dies verunmöglichte bisher die Wahl eines neuen Staatspräsidenten. Seit dem 24. November 2007 ist das Land ohne Staatsoberhaupt. Die tiefe Zerstrittenheit zwischen der Regierungsmehrheit und der von Syrien und dem Iran unterstützten Opposition hat inzwischen zu einer völligen politischen Blockade im Land geführt.

Schwere Vorwürfe
Der Vorsitzende der anti-syrischen Parlamentsmehrheit beschuldigte indirekt Syrien des Mordes an Eid. Dieser Anschlag zeige, dass die Zukunft des Libanon trotz aller Bemühungen weiterhin dem Einfluss von Verbrechen und Terrorismus unterliege, erklärte Saad Hariri.

"Der Anschlag ist ein unwiderlegbarer Beweis, dass der syrische Geheimdienst den libanesischen Geheimdienst unterwandert hat", sagte ein Vertreter der Regierungsmehrheit, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Syrien hatte das Land bis 2005 als Ordnungsmacht besetzt, war aber nach einer Welle von Massenprotesten im April 2005 im Anschluss an den Hariri-Mord abgezogen. Für die zahlreichen Anschläge macht die Parlamentsmehrheit Syrien verantwortlich.

Reaktion der UN
Damaskus verurteilte das Attentat auf Eid, wie die Nachrichtenagentur SANA unter Berufung auf einen "hochrangigen Vertreter" berichtete. Das US-Präsidialamt machte diejenigen, die "die Institutionen des Libanon und den demokratischen Prozess unterwandern und die Wahl eines Präsidenten weiter verzögern wollen", für die Tat verantwortlich. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief alle Beteiligten auf, Zurückhaltung zu üben und die Verantwortlichen für diese und frühere Attacken zur Rechenschaft zu ziehen. Der Terrorakt dürfe nicht dazu führen, dass Sicherheit, Stabilität und Souveränität des Libanon unterminiert würden, ließ Ban in New York durch seine Sprecherin erklären.

(apa/red)

25.1.2008 19:50