Auf Vermittlung von Kofi Annan: Erstes Gipfeltreffen in Kenia seit Gewaltwelle
- Im Westen des Landes 8 Menschen zu Tode gehackt
- Friedensnobelpreisträgerin fordert Einsatz der Armee

·Kenia: Das ist Tiere, Kaffee und Korruption
Industriell am besten ent-
wickeltes Land Ostafrikas
Erstmals seit Beginn der blutigen Unruhen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Dezember gibt es in Kenia Hoffnung auf eine Beilegung der politischen Krise. Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga kamen zu ihrem ersten Treffen seit den Wahlen zusammen. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, unter dessen Vermittlung das Gespräch im Büro des Präsidenten in Nairobi zustandegekommen war, sprach anschließend von einer "ermutigenden Entwicklung". Angesichts anhaltender Kämpfe verfeindeter Volksgruppen forderte die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai den Einsatz der Armee.
"Ich glaube, dass wir die ersten Schritte hin zu einer friedlichen Lösung des Problems getan haben", sagte Annan, der im Auftrag der Afrikanischen Union in der politischen Krise vermittelt. Die Gesprächsbereitschaft von Kibaki und Odinga zeige, dass beide zu einem Dialog für einen "wahren und nachhaltigen Frieden" bereit seien. Annan wolle in den kommenden Wochen und Monaten weiter vermitteln, um nach der schwersten Krise des Landes seit 25 Jahren wieder ein friedliches Zusammenleben aller Kenianer zu ermöglichen, sagte er. Über den genauen Inhalt des Gesprächs wurde nichts bekannt.
Odinga und Kibaki reichten sich nach dem Treffen erstmals die Hände. Oppositionsführer Odinga vom Orange Democratic Movement (ODM) erklärte, er und seine Partei seien bereit, sich "auf den langersehnten Weg zu begeben, der zur Wiederherstellung von Frieden und Gerechtigkeit (...) führen wird". Kibaki verlas anschließend eine Mitteilung und erklärte, er werde das Land als wiedergewählter Präsident persönlich zu Einheit, Toleranz, Frieden und Harmonie unter allen Kenianern führen. Die Regierung sei entschlossen, die eigentlichen Gründe dieser noch nie dagewesenen Unruhen aufzudecken.
Bisher 800 Tote
Nach seinem Sieg am 27. Dezember hatte die Opposition Kibaki Wahlbetrug vorgeworfen. Bei Konflikten rivalisierender Volksgruppen kamen seither 800 Menschen ums Leben, rund 250.000 mussten aus ihren Wohnorten fliehen. Alle bisherigen Vermittlungsversuche zwischen Kibaki und Odinga waren bisher gescheitert.
Bei Kämpfen wurden in der Nacht mindestens zwölf Menschen getötet. In Nakuru im Westen wurden laut Polizei acht Menschen zu Tode gehackt. In der Stadt Limuru erschossen Polizisten demnach zwei Männer. Im Elendsviertel Kariobangi in Nairobi wurde den Angaben zufolge ebenfalls ein Mann bei Kämpfen rivalisierender Volksgruppen mit einer Machete getötet. Auch in Molo, wo sich verfeindete Gruppen seit Tagen bekämpfen, starb nach Polizeiangaben ein Mann.
Maathai sagte: "Welchen Nutzen hat eine Armee, die in den Kasernen ist, wenn unser Volk sich gegenseitig umbringt." Sie bewertete die Vermittungsbemühungen Annans jedoch als vielversprechend. (apa/red)
