Proteste gegen den Müll rund um Neapel:
Nachbargemeinden wollen keinen Abfallberg
- Drei gesperrte Deponien sollen neu geöffnet werden
- Bewohner wehren sich vehement gegen weiteren Mist

·Müll-Krise in Neapel: Kein Ende in Aussicht
Kaufleute drohen mit der Sperre ihrer Geschäfte
Der Plan der italienischen Regierung zur Bewältigung der Müllkrise im neapolitanischen Raum hat heftige Proteste ausgelöst. Wie der von der Regierung beauftragte Sonderkommissar De Gennaro berichtete, sollen drei gesperrte Deponien neu eröffnet werden. Weitere drei sollen vorübergehend in Betrieb genommen werden. Gegen die Eröffnung der neuen Deponien wehren sich mehrere Gemeinden heftig.
Der Ort Marigliano protestiert gegen die Einrichtung einer Halde, in der 98.000 Tonnen Abfall untergebracht werden sollen. "Die Regierung plant eine offene Müllhalde und keine Deponie. Das Grundwasser liegt hier in zwei Meter Tiefe, die Gefahr einer Verseuchung ist riesig", sagte der Bürgermeister von Marigliano, Felice Esposito Corcione.
Neues Deponien-System
De Gennaro warnte die Bürger vor Protesten: "Entweder wir arbeiten gemeinsam für eine Lösung oder wir werden alle verlieren. In den nächsten zehn Tagen müssen wir ein System neuer Deponien organisieren, in denen bis zu eine Million Tonnen Unrat entsorgt werden können. In diesen müssen 10.000 Tonnen Abfall pro Tag untergebracht werden. Auf diese Weise werden wir einen Weg aus der Krise finden."
Plan zur Mülltrennung
Dank des Einsatzes des Militärs beim Müllsammeln seien in den vergangenen Tagen rund 35.000 Tonnen von den Straßen Neapels entfernt worden, sagte De Gennaro. Zudem seien die Lokalbehörden Kampaniens aufgefordert worden, in den nächsten Wochen einen Plan zur Mülltrennung vorzulegen.
Chaotische Verhältnisse
Die Krise im Großraum Neapel schwelt bereits seit 14 Jahren. Die bestehenden Deponien sind überfüllt, betroffene Gemeinden blockieren die Errichtung neuer. Mitglieder der Camorra unterwanderten nach Angaben der Behörden die Stadtreinigung. Außerdem soll eine chaotische Bürokratie für die Krise mitverantwortlich sein.
(apa/red)
