Weiter keine Entspannung in Sicht: Wieder zahlreiche Todesopfer bei Unruhen in Kenia
- 10 Menschen getötet. Annan zu Gesprächen erwartet

·Kenia: Das ist Tiere, Kaffee und Korruption
Industriell am besten ent-
wickeltes Land Ostafrikas
·Gefährlich: Politik und Stammesdenken
Tiefe Gräben ziehen sich durch Gesellschaft Kenias
Bei Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki sind zehn Menschen getötet worden. Drei Frauen und zwei Männer wurden im Dorf Salama im Westen Kenias erschossen. "Auf sie wurde gezielt, weil sie Kibaki unterstützt haben", erklärte ein Polizeivertreter in Nairobi. Zuvor waren in den Armenvierteln der Hauptstadt fünf Menschen getötet worden. Dort lieferten sich Anhänger von Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga Straßenschlachten. Odinga wirft Kibaki vor, die Präsidentenwahl am 27. Dezember gefälscht zu haben.
In Salama in der Provinz Rift Valley schossen Angreifer wahllos um sich und brannten rund ein Dutzend Häuser nieder, wie die Polizei erklärte. Sie schrieb die Tat einer örtlichen Miliz zu, die vor allem für eine Umverteilung von Land kämpft. Eine Armeeeinheit wurde nach Polizeiangaben in die Region entsandt, um die eskalierende Gewalt zu stoppen. Der Westen Kenias gilt als Hochburg Odingas.
In den Slums von Nairobi nahmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Stammesmitgliedern, die entweder Kibaki oder Odinga unterstützen, ebenfalls zu. Fünf Menschen starben nach Polizeiangaben bei Straßenschlachten in den Stadtteilen Mathare, Huruma und Babadogo. Auch Häuser seien zerstört worden. Die Sicherheitskräfte nahmen zwölf Menschen fest.
200.000 auf der Flucht
Insgesamt starben in den vergangenen Wochen bei den Unruhen in Kenia mehr als 700 Menschen, etwa 200.000 sind auf der Flucht. Um die blutigen Konflikte zu beenden, vermittelt derzeit ein internationales Team unter Vorsitz des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan zwischen Regierung und Opposition.
Oppositionsführer Odinga besuchte erstmals seit der umstrittenen Wahl die Hochburgen seiner Partei Orange Democratic Movement (ODM) im Westen Kenias. Er habe die Wahl gewonnen, sei aber betrogen worden, sagte er in Kakamega. Der Kampf gehe weiter, "bis die Gerechtigkeit siegt". Auch Kakamega war von den blutigen Unruhen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erschüttert worden. Der Oppositionsführer besuchte Verletzte in Krankenhäusern der Stadt sowie Flüchtlinge, die in einer Kirche untergekommen waren. Später am Tag wollte Odinga weiter nach Kisumu reisen. Die Gegend der drittgrößten Stadt des Landes war von den Unruhen besonders stark betroffen.
Die Regierung hat unterdessen Boykottaufrufe der Opposition gegen jene Firmen verurteilt, die Gefolgsleuten von Präsident Mwai Kibaki nahestehen. Der Boykott von Unternehmen sei Sabotage und ein Affront gegen die Bevölkerung, erklärte die Regierung. Oppositionspolitiker würden für den angerichteten wirtschaftlichen Schaden haftbar gemacht.
(apa/red)
